Bericht für den 6. September 2011

 

Die Schweizermacher

 

Aus heiterem Himmel wurde heute die Nachricht über die Agenturen verbreitet, dass die Schweizer Nationalbank (SNB) zukünftig keinen Franken-Kurs diesseits der Marke von 1,20 Franken pro Euro mehr zulassen werde. Man kündigte an, so lange Schweizer Franken an den Devisenmärkten gegen Euros zu verkaufen, bis der Franken wieder oberhalb der Marke von 1,20 notiere.

 

Dies ist keine leere Drohung, denn die SNB kann praktisch unlimitiert Franken schaffen und diese an den Devisen-Märkten gegen Fremdwährungen verkaufen. Die neu geschaffenen Franken werden dabei auf der Passiva-Seite der SNB-Bilanz verbucht und die aufgekauften Euro-Bestände auf der Aktiva-Seite als sogenannte Devisenreserven.

 

Prompt fiel der Franken-Kurs innerhalb von Sekunden bei Kursen von unter 1,11 CHF/EUR auf knapp über 1,20 CHF/EUR. Diese 9 Prozent Verlust korrespondierten mit der Uhrzeit der Eröffnung des Londoner Goldhandels. Gold fiel in der Folge von $1.910 auf knapp $1.860, konnte sich kurz danach aber wieder auf $1.900 erholen.

 

Nachdem ESFS, ESM, Eurobonds und die anderen von den Euro-Staaten initiierten diversen Rettungsfonds und Transfer-Mechanismen durch die Märkte nicht mehr geglaubt werden, müssen die Notenbanken nun die Rettungsarbeiten übernehmen.

 

Denn die EZB kann - ebenso wie die SNB unbegrenzt Franken schaffen kann – unlimitiert Euros schaffen. Ganz im Gegensatz auch zu den Staaten mit höchster Bonität wie beispielsweise Deutschland. Die können sich nämlich nur bis zu einer gewissen Schwelle mit Schuldtiteln – entweder direkt durch Ausgabe von Bundesanleihen oder anderen Schuldtiteln oder indirekt über Bürgschaften – belasten. Ist diese Schwelle überschritten, dann droht das Downgrading und ein neuer Pleitekandidat ist geboren.

 

Es hat wirklich lange gedauert, bis die Euro-Retter diese einfachen Sachverhalte der unbegrenzten Papiergeld-Schöpfung kapiert haben. Die Bank of England (BoE) kämpfte sich durch die viel gravierenden Probleme des Vereinigten Königreiches seit dem Ausbruch der Krise durch Drucken immer höherer Pfund-Beträge. Anfangs kam es zwar zu einem massiven Einbruch des Pfund-Kurses – inzwischen ist diese Währung aber stabil und keiner stellt derzeit das AAA-Rating der Insel infrage, obwohl dieses fundamental überhaupt nicht gerechtfertigt ist.

 

Die SNB kommt mit ihrer heutigen Aktion der EZB zu Hilfe, die derzeit Euros druckt, um die Real-Zinsen der PIIGS-Staatsanleihen auf den Sekundärmärkten (Bond-Märkten) nicht weiter ansteigen zu lassen. Damit können sich insbesondere die französischen und deutschen Banken, die mit diesen wertlosen Papieren ihre Bilanzen vergiftet haben, sich dieser verlustbringenden Investment günstig entledigen. Auf der anderen Seite erhält die SNB durch die Eingriffe zu Gunsten des Euros massive Euro-Liquidität, die man dann in deutsche und französische Staatsanleihen wechseln kann.

 

Die EZB stützt also über den Umweg des Kaufs von PIIGS-Anleihen das Banken-System der beiden Kern-Staaten des Euro-Systems, während die SNB über den Umweg des Verkaufs von Franken gegen Euro deutsche und französische Staatsanleihen am Markt aufkauft.

 

Das Ziel ist es, die Kern-Euro Zone mit seinen Banken und dem Staat zu stützen. Denn gestern noch sah es so aus, als wenn die Euro-Zone demnächst komplett abschmieren würde.

 

So richtig erfolgreich war man aber heute mit der Gold-Drückung im Londoner Handel nicht. Denn der A.M. Fix kam mit $1.891,00 (EUR 1.330,75) nur fünf Dollar schwächer als gestern zustande. Der P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ war mit $1.895,00 (EUR 1.346,36) sogar gegenüber gestern unverändert.

 

Da die heutige Aktion aber im Politbüro der Zentralbanker geplant und nun ausgeführt wurde, war ein Angriff auf den bislang wenig beeindruckten Gold-Kurs nach Schluss des Londoner Handels an der COMEX vorhersagbar. So wurde das gelbe Metall bis 18:00 Uhr auf einen Stand unterhalb der Marke von $1.870 gedrückt: Im Intra-Day Chart verglichen mit dem P.M. Fix ein Verlust von $40.

 

Das ist signifikant und wir erwarten spannungsgeladen, was das deutsche Bundesverfassungsgericht morgen bezüglich der Klagen gegen die Euro-Rettung beschließen wird. Ich wette, dass die Politbüro-Mitglieder der FED, EZB, BoJ, BoE und SNB das Ergebnis dieser Entscheidung bereits kennen und die Märkte darauf vorbereiten. Dass das BVerfG die Euro-Rettung insgesamt für verfassungswidrig erklären wird, ist aufgrund der Verquickung zwischen Exekutive und Jurisdiktion sehr unwahrscheinlich – schließlich ringt das deutsche Block-Parteiensystem um die Besetzung dieser Ämter mit eigenen Günstlingen nach Proporzgesichtspunkten immer sehr heftig im Hintergrund.

 

Das Gold-Kartell nahm seine Aufgabe heute sehr ernst, Gold zum COMEX-Schluss nahe dem Tages-Tiefstand enden zu lassen. Der COMEX-Schlusskurs lautete $1.870,20 (EUR 1.337,83). Die Frage für morgen lautet, ob die SNB über Gold-Leasinggeschäfte dem Kartell für den morgigen Londoner Handel physisches Gold zur Verfügung stellt, damit der erreichte COMEX-Schlusskurs verteidigt werden kann.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.891,00

(€1.330,75)

$1.896,50

(€1.341,13)

- $5,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.895,00

(€1.346,36)

$1.895,00

(€1.345,59)

unverändert

COMEX Schlusskurs

$1.870,20

(€1.337,83)

Kein Handel

 

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$41,85

(€29,54)

$42,71

(€30,22)

- $0,86

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.866,00

(€1.327,15)

$1.872,00

(€1.326,25)

- $6,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$761,00

(€541,25)

$763,00

(€540,55)

- $2,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,0

75,2

+ 0,8

Renditen 10-jährige Treasuries

2,0 %

Kein Handel

 

Quotient aus USDX und Renditen

38,0

 

 

 

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