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Bericht für den 12. September 2011 Zweikomponenten-Sprengstoff:
EU-Banken und Dollar-Short-Squeeze Die Krise des
europäischen Banken-Systems verschärft sich von Tag zu Tag. Es wird über einen
unkontrollierten Bankrott von Griechenland gesprochen, obwohl alle
Euro-Politiker seit Monaten versichern, dass kein Staat fallengelassen wird.
Und es mehren sich die Stimmen, die eine Währungsreform mit Einführung
nationaler Währungen in greifbarer Nähe sehen. Und trotzdem fiel heute im Laufe
des Tages der Goldpreis um fünfzig Dollar oder 2,7 Prozent. Wie passt das
zusammen? Erinnern Sie sich noch
an die Preisentwicklung der Volkswagen-Aktie im Laufe des Oktobers 2008. Zum
Ende des Monats hatte die Aktie die Marke von 1.000 Euro überschreiten können
– mit zum Teil hundertprozentigen Tagesanstiegen zuvor. Damit war das
Unternehmen – zumindest auf dem Papier – für kurze Zeit die
weltweit mit der höchsten Börsenkapitalisierung bewertete Firma. Aus einer
Presse-Mitteilung des besagten 28. Oktobers (Quelle: Berliner Morgenpost): Auslöser für den Kurssprung war die Mitteilung des
Großaktionärs Porsche, bereits über 42,6 Prozent der VW-Anteile zu verfügen
sowie Optionen auf weitere 31,5 Prozent zu haben. 42,6 Prozent der Aktien
wurden zu diesem Zeitpunkt bereits von Porsche gehalten und für weitere 31,5
Prozent besaß Porsche eine Option, seinen Anteil auf 74,1 Prozent erhöhen zu
können. Denn die Banken, die Porsche diese Option gegeben haben, haben sich am
Markt selbst mit den entsprechenden Aktien des Konzerns eingedeckt. Das Land
Niedersachsen besaß 20,1 Prozent der Aktien und war nicht an einem Verkauf
interessiert. Also waren von den VW-Aktien nur 5,8 Prozent am Aktienmarkt
theoretisch handelbar (free floating). Weiter im selben Pressebericht:
Viele Investoren hatten in den vergangenen Wochen
auf einen fallenden VW-Kurs gesetzt und über sogenannte Leerverkäufe geliehene
VW-Aktien verkauft. Auf gut Deutsch: Diese Spekulanten haben zu
Recht nicht an den Wert des Unternehmens geglaubt, das mit einem Aktienkurs von
mehreren hunderten Euro gehandelt wurde. Heute tendiert die VW-Aktie bei knapp
unter hundert Euro – und in diesem Kurs ist der Auto-Hype
der letzten Monate bereits voll eingerechnet. Wenn ein Kurs
unverhältnismäßig hoch ist, dann kann man dagegen spekulieren. Man leiht sich
die Papiere und verkauft sie an der Börse zu den Höchstkursen. In der Hoffnung,
dass man die Papiere bei einem sinkenden Kurs wieder günstig zurückkaufen könne.
Klingt nach einem guten Geschäft. Aber – lesen wir
die Pressenotiz von damals weiter: Viele Investoren hatten in den
vergangenen Wochen auf einen fallenden VW-Kurs gesetzt und über sogenannte
Leerverkäufe geliehene VW-Aktien verkauft. Im Idealfall hätten sie die Aktien
später billiger an der Börse zurückgekauft und die Differenz eingestrichen.
Wegen des plötzlichen Kursanstiegs mussten sie unbedingt VW-Aktien kaufen, um
den Verlust aus dieser Wette zu begrenzen. Damit kam eine Kettenreaktion in
Gang, die den Kurs immer weiter in ungeahnte Höhen trieb. Der Kursanstieg fiel
auch deswegen so stark aus, weil vergleichsweise wenige VW-Aktien frei
gehandelt wegen können. Bei maximal
5,8 Prozent überhaupt kaufbaren Aktienvolumens gerieten die Spekulanten in die
schlimmste Situation, die einen Leerverkäufer treffen könnte: Den sogenannten Short-Squeeze. Im Gegensatz zu
Long-Positionen, wo der Verlust auf das eingesetzte Kapital begrenzt ist, kann
der Verlust bei Leerverkäufen theoretisch unendlich hoch sein. Wer für 200 Euro
VW geshortet hatte und sich für über 1.000 Euro zwangsweise
eindecken musste, der hat einen Verlust von 800 Euro hinnehmen müssen. Wäre er long gewesen und ginge die Firma in die Pleite, dann hätte
der Verlust nur 200 Euro betragen. Wenn keiner zu diesem Preis allerdings VW
verkauft hätte, wäre der Preis vielleicht auf 2.000, 5.000 oder sogar 10.000
Euro angestiegen – ein unkalkulierbares, da unbegrenztes Verlustrisiko. Der schwäbische
Unternehmer Adolf Merckle hat sich, weil er auf diese
Weise gegen VW erfolglos spekulierte, vor den Zug geworfen – sein über
Jahrzehnte aufgebautes Firmen-Imperium hat sich über Nacht in Luft aufgelöst. Warum erwähne ich dieses
Beispiel: Weil die EU-Banken in ähnlicher Art und Weise Kredite im
US-Dollarraum aufgenommen haben, um mit den Null-Zinsen an der Party der
internationalen Aktienmärkte teilnehmen zu können. Sie sind US-Dollar short und Euro-Aktien (oder andere Investments) long. Nun, diese Party ist
jetzt vorbei und die Anstiege der letzten zwei Jahre haben sich in Luft
aufgelöst. Aber die geliehenen US-Dollar, um diese Aktien kaufen zu können, stehen
immer noch in der Bilanz. Hinzu kommt, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar in
den letzten Tagen kräftig an Wert verloren hat. Die Banken sind also
hungrig nach US-Dollar, die ihnen die Amerikaner aber nicht mehr leihen wollen,
da jenseits des Atlantiks keiner mehr Vertrauen in den Euro hat. Vielmehr
fordert man seine manchmal nur für einen Tag geparkten Dollars zurück: Ein klassischer
Dollar-Short-Squeeze bedroht nun die EU-Banken. Dabei ist fundamental
der US-Dollar nicht besser als der Euro: Aber das zählt bei einem Short-Squeeze nicht. Wer sich in einem Terrain wieder
eindecken muss, über das er selbst keine Kontrolle hat, der spielt mit seiner
Existenz. Oktober 2008 waren es die VW-Aktien – heute ist es der
US-Dollar. Eine Lösung ist
sicherlich, die Aktien abzustoßen und die Euro-Beträge in US-Dollar einzulösen.
Das drückt aber den Kurs der Aktien und des Euros noch zusätzlich. Große
Verluste würden anfallen, die das Eigenkapital der Banken auszulöschen drohen.
Und das Eigenkapital wird derzeit schon ausreichend von den verfallenden PIIGS-Bonds bedroht. Auch die EZB kann hier
ihren Banken nicht mit Ausleihungen helfen (anders als bei den PIIGS-Bonds, die in der EZB-druckbaren Währung Euro valutieren), weil sie keine US-Dollar schöpfen (= drucken) kann.
Das kann nämlich nur die FED. Nun gibt es neben den
Banken eine Reihe von Investoren, die der Portfoliotheorie folgend, einen Teil
ihres Geldes ebenfalls in die gut laufenden Aktien-Märkten investiert haben.
Und da Kredit-Geld de facto umsonst ist und der Aktienmarkt seit Mitte 2009
praktisch risikolos anzusteigen schien, hebelt man sein Investment mit einem
hohen Kreditanteil. Denn während ein Kursgewinn von 10 Prozent eben nur diese
10 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital erlöst, kann man mit 80 Prozent
Kreditanteil eben 50 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital (20 Prozent des ursprünglichen
Aktienwertes) erlösen. Big Money macht Bigger Profit. Jetzt, da wir Verluste
von 25 Prozent und mehr bei Aktien beobachten, ist das hinterlegte Eigenkapital
aufgebraucht und die Banken wollen zusätzliche Sicherheiten für ihre Kredite
sehen. Den Investoren bleibt nichts anderes übrig, als sich von dem Investment
mit der höchsten Liquidität zu trennen: Gold, das den Portfolios mit fünf bis
zehn Prozent zugemischt wurde. Oder andere Edelmetalle und Rohstoffe, die heute
ebenfalls kräftig fielen. Alles Liquide muss zu
Geld (= US-Dollar) gemacht werden, um eine Zwangsliquidierung des
Aktien-Portfolios zu Tiefpreisen zu vermeiden. Mit diesem Gold haben
wahrscheinlich auch die EZB und ihre Mitgliedsbanken den in US-Dollarnot
geratenen europäischen Banken ausgeholfen, damit sich diese dafür US-Dollars
beschaffen können. Das heutige Chartbild
beim Gold scheint diese These zu bestätigen. Denn wir hatten nicht den üblichen
Wasserfall-Absturz, der den Eingriff des Gold-Kartells signalisiert, sondern
der Kurs ist im Laufe des Tages gefallen. So, als wenn viele Parteien den
Bedarf hätten, ihr Gold gegen US-Dollar eintauschen zu müssen. Schon führt diese
Situation, die fundamental eher für einen Goldpreis-Anstieg spricht, zu einem
Ausverkauf des gelben Metalls an den Märkten. Natürlich ist dieser Ausverkauf
beim Gold fundamental genauso wenig gerechtfertigt, wie der damals explodierende
Kurs der VW-Aktie. Aber in einer Short-Squeeze Situation
gelten eben andere Regeln: Adolf Merckle hatte prinzipiell
Recht, endete aber trotzdem vor den Zug. Natürlich wird sich die
FED diese Situation nicht lange ansehen – denn ein Dollar Short-Squeeze im Euro-Raum würde die dortigen Banken
auslöschen und über Ansteckungs-Effekte schnell das gesamte Finanzsystem zum
Kollaps bringen. Eine Wiederauflage der Euro-/Dollar-Swaps, mit denen die EZB Dollar-Liquidität der
FED ins EU-Bankensystem schleusen kann, ist deshalb in Kürze zu erwarten. Es sei denn, die
Vereinigten Staaten planen selbst eine Währungs-Reform und wollen sich zuerst
des ungeliebten Euros als Konkurrenz für ihre neue Währung entledigen. Es wäre
schon Ironie des Schicksals, wenn genau die Währung, welche die Krise
ursächlich verursacht hätte, wie Phönix aus der Asche emporsteigen könnte. Aber
in einer Short-Squeeze Situation gelten andere Regeln
– und den strategischen Fehler der Europäer könnten die USA schamlos für
sich ausnutzen. Aber der Turnaround bei den US-Aktien, die zum Ende des Handels im
positiven Bereich endeten, scheint auf den Versuch, den Markt mit frischen
US-Dollars stabilisiert zu bekommen, hinzudeuten. Dumm für die Investoren,
denen die Portfolio-Theorie ins Hirn eingebrannt zu sein scheint: Die haben
jetzt einen Teil (oder vielleicht sogar alles) ihres Goldes verloren, welches
sie im wirklichen Krisenfall zur Vermögens-Absicherung dringend nötig hätten.
Das Big Money ist eben nicht unbedingt mit einem Big Brain
ausgestattet. Viele Schrumpf-Köpfe sitzen nun weiter auf ihren Aktien-Beständen
und zittern. Wichtige Marktdaten im Überblick
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