Bericht für den 29. September 2011

 

Gehebelter Wahnsinn

 

Wie schafft man es, eine ursprünglich nur als Bürgschaft gedachte dreistellige Milliarden-Summe in eine gezielte Zahlung zu verwandeln: Nun, man deklariert diesen Bürgschafts-Betrag im Rahmen des EFSF als (nachrangiges) Eigenkapital und ermöglicht so die Aufnahme von Krediten, um Staatsanleihen der gefährdeten Euro-Länder kaufen zu können.

 

Und die Anzahl dieser gefährdeten Euro-Länder steigt von Monat zu Monat.

 

Nachdem der Deutsche Bundestag die Erhöhung des deutschen Anteils an der Haftungssumme für den EFSF auf 211 Milliarden Euro durchgewunken hat, redet man nun darüber – da die zur Verfügung stehende Summe bei weitem nicht ausreichen würde, um Spanien und Italien auch noch retten zu können – den Betrag, den der EFSF zum Erwerb von Staatsanleihen ausgeben kann, durch Aufnahme von Fremdkapital zu hebeln.

 

Was heißt das nun konkret.

 

Nun, bei dem bisherigen Verfahren konnten für angenommene 100 Milliarden Euro Garantiesumme, welche die Euro-Länder an Garantien (Bürgschaften) dem EFSF gegeben haben, maximal 100 Milliarden zum Kauf von Staatsanleihen leidender Euro-Länder ausgegeben werden.

 

Da das aber bei weitem nicht ausreicht, soll der Fond mit einem Hebel von Eins zu Acht mit Fremdkapital ausgestattet werden. Aus 100 Milliarden werden so 800 Milliarden, für die der EFSF Staatsanleihen kaufen könnte.

 

Das klingt auf den ersten Blick nach einer guten Idee, weil die Summe, für die Deutschland, die Niederlande, Österreich und andere Länder haften müssen, nicht weiter erhöht werden müsste.

 

Aber das Ausfall-Risiko steigt, das heißt die Summe, die der deutsche Zahler letztendlich über neue Staatsschulden und damit Steuern bezahlen muss, steigt auch um den Faktor acht.

 

Dazu eine Modell-Rechnung: Die Länder garantieren mit 100 Milliarden Euro und der Fond nimmt 700 Milliarden Fremdkapital auf. Der EFSF könnte nun für 800 Milliarden Euro Staatsanleihen kaufen. Das Fremdkapital würde im Falle eines Zahlungsausfalls vorrangig vor den als Eigenkapital dienenden Bürgschaften bedient werden. Wäre das nicht der Fall, dann gebe es für die Kapitalgeber gar keine Absicherung – das heißt sie könnten das Geld auch direkt Griechenland, Portugal & Co leihen.

 

Fällt nun von den Krediten ein Achtel wegen Pleite und/oder Haircut aus – bei Griechenland sprechen wir inzwischen von einem Ausfall von der Hälfte – dann würde der EFSF nur noch für seine ausgeliehenen 800 Milliarden Euro einen Betrag von 700 Milliarden zurückerhalten. Der Verlust von 100 Milliarden würde aber vorrangig von den Bürgen getragen. Das heißt die Bürgschaft wäre in ihrer vollen Höhe fällig zu stellen.

 

In dem bisherigen Modell (Haircut um 12,5 Prozent) würden die bürgenden Steuerzahler von 100 Milliarden Euro lediglich 12,5 Milliarden Euro in Realität bezahlen müssen. In dem gehebelten Modell wären die kompletten 100 Milliarden Euro fällig.

 

Das bereits diskutierte Hebeln des EFSF bedeutet also eine Risikoerhöhung um den Faktor Acht für den deutschen Steuerzahler. Und wenn die Euro-Verbrecher ein solches Modell selbst vor der heutigen Bundestags-Abstimmung bereits öffentlich diskutieren, dann wird es wohl so kommen.

 

Der größte Verbrecher im deutschen Land – der böse Rollstuhlfahrer in Person – will sich nach einem gerade erschienenen Bericht der FAZ die Option zur Hebelung offenhalten: Während Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Ausweitung der zur Verfügung stehenden Mittel durch einen Kredithebel nicht ausschloss, sprach der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle in diesem Zusammenhang von einer „Massenvernichtungswaffe für die Finanzmärkte“.

 

Das ist gehebelter Wahnsinn.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.620,00

(€1.187,77)

$1.655,00

(€1.214,76)

- $35,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.613,00

(€1.182,89)

$1.643,00

(€1.205,42)

- $30,00

COMEX Schlusskurs

$1.615,40

(€1.189,82)

$1.616,60

(€1.189,34)

- $1,20

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$30,19

(€22,17)

$31,04

(€22,71)

- $0,85

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.530,00

(€1.121,70)

$1.566,00

(€1.142,45)

- $36,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$621,00

(€455,30)

$644,00

(€472,85)

- $23,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

77,9

77,7

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

2,0 %

2,0 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

39,0

38,9

+ 0,1

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2011

Parse Time: 0.236s