Bericht für den 3. Oktober 2011

 

Kaum beschlossen und wieder für zu leicht befunden

 

Das Euro-Roulette dreht sich weiter. Kaum ist die Tinte für die vom Bundestag beschlossene Erhöhung des Euro-Rettungsfonds EFSF auf 211 Milliarden Euro getrocknet, da stellt man – wohl völlig überraschend fest (Ironie aus!) – dass das Volumen überhaupt nicht ausreichen würde, um mögliche Pleite-Kandidaten wie Spanien und Italien retten zu können.

 

Gewogen und für zu leicht befunden – das ist das Ergebnis der hilflosen Versuche unserer europahörigen Eliten, die Gemeinschafts-Währung retten zu wollen.

 

Dabei wird bald ein ganz anderer – bislang als Stabilitäts-Anker agierender – Staat Probleme bekommen: Deutschland nämlich, dessen Staatsanleihen (Bunds) derzeit mit dreifachen Risikoaufschlag für Ausfall-Versicherungen – sogenannte Credit Default Swaps (CDS) – gehandelt werden.

 

Genauso ging das Drama bei Griechenland, Irland und Italien auch los. Zuerst stiegen die Preise für CDS der jeweiligen Staatsanleihen, dann wurden die Anleihen abverkauft und man verlangte in Form von höheren Real-Zinsen höhere Risikoaufschläge. Die Märkte trockneten mit der Zeit aus, weil jeder diese Papiere verkaufen aber keiner mehr kaufen wollte. Und zuletzt musste die EZB an den Sekundär-Märkten (Bond-Märkte) und der Euro-Rettungsfond an den Primär-Märkten (Versteigerung der Anleihen) eingreifen, um einen großflächigen Abverkauf stoppen zu können. Erst im Anschluss begannen die Rating-Agenturen (Standard & Poors, Moodys und Fitch), diesen Papieren schlechtere Ratings zu verpassen.

 

Es sind ja nicht die Spekulanten, die von den Politikern gerne als Prügelknaben für die einbrechenden Staatspapiere verantwortlich gemacht werden, welche die derzeitigen Probleme verursachen. Nein es waren die Politiker der betroffenen Länder, die jahrzehntelang den Wohlstand im Land auf die tönernen Füße des Kredits gestellt haben. Nun ist die Schuldenlast so erdrückend, dass die Investoren Zweifel bekommen, ob Zinsen und Tilgungs-Leistungen in Zukunft überhaupt noch erbracht werden können. Ganz abgesehen einmal von der weiterhin starken Ausweitung der Neuverschuldung.

 

Diese Investoren sind unsere Banken, unsere Versicherungen, unsere Pensions-Fonds, welche die Ersparnisse des Bürgers möglichst sicher und gewinnbringend anlegen müssen. Und wenn ein Land zukünftig nicht mehr seine Schulden zurückzahlen kann oder seine Zinsleistungen erbringen kann, dann kann auch die Bank und die Versicherung nicht mehr die dem Kunden geschuldeten Leistungen erbringen.

 

Die System-Kernschmelze fraß sich seit dem Jahr 2007/8 von den Banken zu den Staaten durch – und erreicht jetzt die letzte Barriere: Die mit höchster Bonität ausgestatteten Nationen nämlich. Wird auch diese Barriere durchbrochen, dann ist das System endgültig erledigt.

 

Mit dem drohenden Untergang Deutschlands wird dann wohl auch die EZB ihre Politik ändern müssen und doch wie die BoJ, die BoE und die FED zum praktisch unkontrollierten Monetarisieren der Staatsanleihen übergehen. Denn das unbegrenzte Gelddruck-Monopol für den Euro liegt nur bei dieser Notenbank. Und dass die Notenbanken selbst keine eigenen Staatspapiere ersteigern können, kann man durch das Einschalten von Vermittler-Banken lösen, welche die Papiere an den Primär-Märkten ersteigern und an den Sekundär-Märkten der jeweiligen Notenbank verkaufen.

 

Man kann das Monetarisieren ja von Seiten der EZB einigermaßen gerecht gestalten: Für Griechenland werden Anleihen mit hohen Zinsen aufgekauft, von Deutschland dagegen mit niedrigen Zinsen. So verteilen sich die Nutzen und Risiken auf die Länder der Euro-Zone und man kann schlechtes Wirtschaften bestrafen und gutes Wirtschaften belohnen.

 

Aber eines sollte jedem Investor im Euro-Raum klarwerden: Mit jeder dieser fortgesetzten Aktionen wird der Euro weiter an Wert verlieren. Gegen echtes Geld – Gold.

 

Beim Gold ging es nach den unerfreulichen Vorwochen heute wieder kräftig bergauf. Der A.M. Fix legte um $31 auf $1.660,00 (EUR 1.242,51) gegenüber dem Fixing vom Freitag zu. Zum P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ betrug der Anstieg dann bereits $35 ($1.655,00 – EUR 1.242,96). Und last not least schloss der COMEX-Handel mit $1.659 um $38,60 höher als noch am Freitag letzter Woche.

 

Während Silber und Gold kongruent stiegen, mussten die beiden PGM-Metalle erneut Verluste hinnehmen. Der Preisunterschied zwischen Gold und Platin beträgt inzwischen schon $150 – zu Gunsten des Goldes versteht sich. Die Angst um den Euro macht sich also insbesondere bei den geldigen Edelmetallen als Preisaufschlag bemerkbar.

 

Ein weiterer Gewinner sind die US-Treasuries – die 10-jährigen Papiere gaben heute erneut 0,1 Prozentpunkte an Real-Rendite ab und tendierten bei 1,8 Prozent. Wegen des schwachen Euro stieg der US-Dollarindex (USDX) um 0,5 Punkte auf 79,3. Der von mir ermittelte Quotient aus beiden Werten erreichte mit 44,1 Punkten – ein Tagesplus von 2,6 Punkten – einen neuen Höchststand (seitdem ich diesen Wert aktiv beobachte).

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.660,00

(€1.242,51)

$1.629,00

(€1.204,25)

+ $31,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.655,00

(€1.242,96)

$1.620,00

(€1.204,73)

+ $35,00

COMEX Schlusskurs

$1.659,00

NA

$1.620,40

NA

+ $38,60

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$31,05

(€20,01)

$30,45

(€19,53)

+ $0,60

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.501,00

(€1.126,45)

$1.511,00

(€1.121,75)

- $10,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$595,00

(€446,50)

$614,00

(€455,85)

- $19,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,3

78,8

+ 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

1,8 %

1,9 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

44,1

41,5

+ 2,6

 

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