Bericht für den 4. Oktober 2011

 

Short-Squeeze öffnet dem Kartell die Gold-Tresore

 

Früher hatten wir sie noch: Eine Wirtschafts-Ordnung, bei der es nur self-liquidating debt gab. Beim erfolgreichen Investieren konnten die Schulden mit dem zusätzlich erwirtschafteten Cash Flow für die Investition über die Zeit zurückbezahlt werden.

 

Die Notenbank hatte mit ihrem Instrument Leitzinssatz einen Grobregler, der eher mittel- bis langfristig wirkte, und mit der Geldmarkt-Steuerung einen Feinregler für kurzfristige Maßnahmen im Portfolio. Dadurch, dass man den Preis des Geldes praktisch willkürlich festlegen konnte, hat man eine Investitions-Entscheidung der Unternehmer eher riskanter (bei höheren Zinsen) oder weniger riskant (bei niedrigen Zinsen) beeinflussen können.

 

Überhitzte die Wirtschaft nach Ansicht der Notenbank, dann wurden die Leitzinsen erhöht und eine trotz blendend laufender Wirtschaftslage geplante Erweiterungs-Investition wurde wegen der hohen Zinskosten nicht getätigt.

 

Das war zwar auch dirigistisch, aber eine gut agierende Notenbank konnte so Überhitzung (mit Inflation) und Rezessionen (mit Wirtschafts-Abschwung) einigermaßen gut in den Griff bekommen, wenn zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen wurden.

 

Von diesen Grundsätzen mussten wir uns seit den 90er-Jahren verabschieden. Die Notenbanken gerieten zunehmend unter Druck der Politik und mussten mit geldpolitischen Maßnahmen, das heißt niedrigen Zinsen, der Wirtschaft helfen. Gleichzeitig nahm die Bereitschaft der Politik zu, Wahlgeschenke auf Kredit an ihr Volk zu verteilen.

 

Nicht nur die Unternehmen wurden durch das süße Gift des billigen Kredits mit immer mehr Schulden überladen – diese waren zum Großteil nicht mehr self-liquidating und damit nicht mehr rückzahlbar. Auch die Konsumenten konnten den Stimmen der modernen Sirenen nicht widerstehen. Konsum jetzt als Sparen für später lautete die Devise.

 

Spätestens seit dem Platzen der New Economy Blase zur Jahrtausendwende ist den Notenbanken ihr Instrument der Leitzinssteuerung abhanden gekommen. Da ein immer größer werdender Teil der Schulden nicht-rückzahlbar wurde, musste man, damit die Zinslasten für die Kreditnehmer überhaupt noch leistbar waren, die Zinsen kontinuierlich absenken.

 

Der letzte Versuch der FED, die Zinsen marginal zu erhöhen, um kontrolliert Luft aus der Immobilien-Blase zu lassen, endete im Herbst 2008 mit der Lehman Brothers Pleite als vorläufigen Höhepunkt.

 

Kredit wurde mit der Zeit auch immer mehr ein Mittel zum Zweck, um überhaupt noch eine ordentliche Rendite auf sein Eigenkapital erwirtschaften zu können. Erneut soufflierten die Sirenen, dass man den Gewinn einer Investition mit viel Fremdkapital entsprechend hebeln könne.

 

Doch jemand, der sich kurzfristig Geld – vielleicht sogar aus einem anderen Währungs-Raum borgt – um damit mittel- bis langfristige Investments zu tätigen, wird in höchstem Maße verwundbar. Und genau diese Verwundbarkeit gegen Entzug von kurzfristigem Geld, das in der heutigen Zeit praktisch nichts mehr kostet, gibt den Notenbanken ein neues Instrument an die Hand, wie sie noch die Geldpolitik steuern können.

 

Sie drehen plötzlich (im Allgemeinen untereinander koordiniert) den (Zins-)Geldhahn zu, so dass die Investoren einen Teil ihrer Anlagen verkaufen müssen, um die zum Teil nur einen Tag laufenden Kredite zurückzahlen zu können. Noch effektiver ist die Methode, den Kurs derjenigen Währung, in der man sich verschuldet hat, zu heben, so dass augenblicklich ein Kursverlust der eigenen Anlagewerte gegenüber diese Verschuldungs-Währung auftritt: Der Investor muss oftmals verkaufen, weil sein Portfolio den Mindestwert-Anforderungen für die Fremdwährungs-Kredite nicht mehr erfüllt.

 

Dieses Instrument hat bloß einen Nachteil: Es schadet zwar der aus Sicht der Notenbanken vorteilhaften Drückung der Rohstoffe und Edelmetalle – denn hier möchte man ja Inflation bekämpfen. Es schadet aber auch den Aktien-Märkten, die für die Kreditgewährung das notwendige haftende Eigenkapital der Firmen repräsentieren sollen. Und vor allen Dingen den Anlegern, die mit Aktien ihre Rente ansparen wollen.

 

Genau so eine Short-Squeeze Situation, bei der man den Anleger aus seinen gehebelten Investments drängen möchte, konnten wir heute beobachten. Das sollte zwar den Goldpreis in nicht so hohem Maße beeinflussen, da ein Großteil des gelben Metalls mit Eigenkapital gekauft wurde. Aber weil viele der Goldinvestoren auch Aktien und Rohstoffe im Portfolio haben, die mit Kredit gehebelt sind, kann das Kartell auch über diesen Weg die Goldtresore öffnen. Denn mit der Geldnachschuss-Pflicht bei sinkenden Aktien-Indizes muss der Investor Geld – beispielsweise in Form von US-Dollar – nachschießen, um die Zwangsliquidierung eines Teils seines Aktiendepots zu gerade schlechten Kursen zu vermeiden. Und so muss er Gold für US-Dollar verkaufen.

 

Genau das konnten wir heute wieder beobachten: Zuerst geht es mit den Aktien-Märkten kräftig nach unten – genauso wie die anderen Anlageklassen im Rohstoffsektor, weil ein Dollar- und/oder Yen-Short-Squeeze stattfindet. Gold hält sich noch gut, da es wenig anfällig ist, da zum Großteil eigenkapitalgekauft. Mit der Zeit werden die Verluste für die Investoren dann aber so hoch, dass Gold in US-Dollar eingetauscht werden muss, um nicht aus den Positionen mit einem hohen Verlusthebel zu fliegen.

 

Natürlich wurde dieses Gold vom Kartell möglichst preisdrückend eingesetzt. Die Kartell-Banken reduzieren in einer solchen Situation einfach ihre eigenen Angebote. Das führt dazu, dass der Preis tiefer fällt als in einer normalen Markt-Situation. Und plötzlich sehen wir dann wieder Tages-Rückgänge von $50 und mehr.

 

So gab Gold zum COMEX-Schluss mit $1.613,20 (EUR 1.216,86) um $46 nach. Das Tageshoch wurde kurz vor Eröffnung des Londoner Vormittags-Handels bei $1.680 erreicht.

 

Das ist auch eine Methode, wie man im Markt das Gold selbst von den angeblich starken Händen umverteilen kann. Schön ist die Methode, die Investoren in eine Dollar-Kreditfalle zu locken, nicht. Aber wirkungsvoll – und vor allen Dingen wirkt sie für das System laufzeitverlängernd.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.672,00

(€1.267,05)

$1.660,00

(€1.242,51)

+ $12,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.638,00

(€1.240,90)

$1.655,00

(€1.242,96)

- $17,00

COMEX Schlusskurs

$1.613,20

(€1.216,86)

$1.659,00

NA

- $45,80

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$30,60

(€23,21)

$31,05

(€20,01)

- $0,45

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.481,00

(€1.122,80)

$1.501,00

(€1.126,45)

- $20,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$588,00

(€445,80)

$595,00

(€446,50)

- $7,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,4

79,3

+ 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

1,8 %

1,8 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

44,1

44,1

unverändert

 

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