Bericht für den 14. Oktober 2011

 

Target2 geht in exponentielle Steigerung über

 

Mit dem merkwürdigen Anstieg der Forderungen innerhalb des Euro-Systems, die in den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank im Teil XI AUSSENWIRTSCHAFT – Tabelle 9 AUSLANDSPOSITIONEN DER DEUTSCHEN BUNDESBANK IN DER EUROPÄISCHEN WÄHRUNGSUNION in Spalte 6 nachgeschlagen werden können, hatte ich mich am 18. Februar 2011 unter dem Titel PIIGS-Raub bei der Bundesbank? bereits beschäftigt.

 

Damals war mir noch nicht klar, welcher Mechanismus sich hinter diesem Anstieg verbarg. Es ist dem IFO-Chef Hans-Werner Sinn zu verdanken, dass er in der Zwischenzeit Klarheit in diese Angelegenheit gebracht hat. Hinter diesem Anstieg steckt das Target2-Zahlungssystem (Trans-European Automated Realtime Gross Settlement Express Transfer System) zwischen den Mitgliedsbanken des EZB-Systems.

 

Die Funktionsweise dieses Systems lässt sich an folgendem Beispiel erläutern: Ein Kunde A der französischen Bank BNP Paribas möchte 100.000 Euro auf das Konto seines Geschäftspartners B bei der Deutschen Bank überweisen. Das Konto von A wird bei der BNP Paribas als Verbindlichkeit der Bank geführt. Mit der Überweisung nimmt die Verbindlichkeit der Bank gegenüber Kunde A um 100.000 Euro ab, weil sich dessen Kontostand ja um diesen Betrag verringert. Der Zahlungsvorgang läuft nun erst einmal zwischen der BNP Paribas und der französischen Zentralbank (Banque de France) ab. Das Konto Forderungen der BNP Paribas gegenüber der BdF reduziert sich um 100.000 Euro. Bei der BdF reduzieren sich nun die Verbindlichkeiten gegenüber der BNP Paribas um diese 100.000 Euro.

 

Die Zahlungskette setzt sich nun innerhalb des Euro-Systems zwischen der Banque de France und der Deutschen Bundesbank fort. Die Verbindlichkeiten der BdF gegen die Bundesbank nehmen um 100.000 Euro zu und die Bundesbank bucht nun zusätzlich 100.000 Euro als Forderungen gegenüber der BdF in ihre Bilanz ein. Genau dieser Wert wird als AUSLANDSPOSITION DER DEUTSCHEN BUNDESBANK IN DER EUROPÄISCHEN WÄHRUNGSUNION in den Monatsberichten ausgewiesen.

 

Die Zahlungskette wird damit beendet, dass die Verbindlichkeiten der Bundesbank gegenüber der Deutschen Bank um 100.000 Euro zunehmen und die Deutsche Bank dementsprechend 100.000 Euro zusätzliche Forderungen an die Bundesbank verbucht.

 

Der Geschäftspartner B bekommt auf seinem Konto 100.000 Euro gutgeschrieben, was sich wiederum als Verbindlichkeit der Deutschen Bank gegenüber B in der Bilanz bemerkbar macht.

 

Es handelt sich hierbei also um ein ganz normales Abrechnungs-System – oder neudeutsch Settlement System.

 

Nun kann dieser Saldo der Bundesbank gegenüber den anderen EZB-Notenbanken täglich wechseln, von einer Forderung zu einer Verbindlichkeit und umgekehrt. Abhängig davon, ob tendenziell mehr Gelder zu deutschen Banken überwiesen werden (positive Auslandsposition der Bundesbank = Forderungen) oder diese Gelder abfließen (negative Auslandsposition = Verbindlichkeiten).

 

Die Bundesbank bemühte sich in ihrem Monatsbericht vom März 2011 um folgende Erklärung: Der steile Anstieg des TARGET2-Saldos der Bundesbank seit 2007 ist maßgeblich auf die Anspannungen am Geldmarkt und die Probleme im Bankensektor innerhalb des Euro-Raums zurückzuführen. In den Jahren vor der Finanzkrise haben sich die grenzüberschreitenden Zahlungen Deutschlands weitgehend ausgeglichen. In der Zahlungsbilanz fungierte insbesondere die (kurzfristige) Netto-Auslandsposition der Kreditinstitute als eine Art „Ausgleichsventil“. Da wegen der Überschüsse in der Leistungsbilanz und häufigen Netto-Kapitalimporten im Wert-Papierverkehr regelmäßig die Zahlungseingänge überwogen, waren im kurzfristigen Kreditverkehr der Banken in den meisten Jahren Mittelabflüsse (Netto-Kapitalexporte) zu verzeichnen. Kurzfristig auftretende TARGET2-Postionen bauten sich somit durch private Kapitalflüsse rasch wieder ab.

 

Nun deutet die hohe Forderungs-Position der Bundesbank darauf hin, dass massiv Gelder aus anderen Euro-Staaten nach Deutschland strömen. Dabei kann es sich beispielsweise um Fluchtgelder von Griechen handeln, die ihrer lokalen Bank nicht mehr vertrauen und das Geld auf ein Konto bei einer deutschen Bank überweisen. Aber es handelt sich auch um Zahlungen für deutsche Exporte in die Krisenländer.

 

Nun behauptet die Bundesbank zwar, dass der Bundesbank kein besonderes Risiko aus diesen Auslandspositionen erwächst. Aber im Prinzip wird das Target2-System derzeit dazu missbraucht, die PIIGS-Staaten liquide zu halten, damit sie weiterhin Waren beispielsweise aus Deutschland beziehen können. So wird nicht nur das Handelsbilanz-Defizit buchhalterisch finanziert, sondern auch die in den Ländern einsetzende Kapitalflucht.

 

Ende 2010 beliefen sich die Forderungen der Bundesbank gegen die anderen Mitgliedsbanken – insbesondere die Zentralbanken der sogenannten PIIGS-Staaten – auf 338 Milliarden Euro. Mit dem Monatsausweis der Bundesbank für den September schnellte nun dieser Wert auf 462 Milliarden Euro hoch. Innerhalb von neun Monaten hat sich der Target2-Saldo also verdoppelt.

 

Noch schlimmer stellt sich die Situation dar, wenn man den letzten monatlichen Anstieg analysiert. Dieser betrug nämlich stolze 59,2 Milliarden Euro oder knapp 15 Prozent. Während der Anstieg dieser Forderungen der Bundesbank seit Mitte 2007 weitgehend linear verlief, hat die Steigerung nun eine neue Dimension erreicht und verläuft exponentiell.

 

Im Prinzip handelt es sich neben Euro-Rettungsschirm (EFSF), IWF-Hilfen, EZB-Ankauf von Staatsanleihen der Länder der Südperipherie um ein weiteres massives Instrument der Kreditfinanzierung der PIIGS. Hinter dem Geld auf Konten deutscher Banken verbirgt sich also nichts anderes als das Versprechen der Länder der Südperipherie, ihre Schulden in Zukunft abtragen zu können – was natürlich völlig illusorisch ist.

 

Vor diesem Hintergrund sollte man sich überlegen, warum Deutschland überhaupt noch Exportgüter an die PIIGS-Länder liefert. Denn deren Zahlungen sind durch nichts gedeckt und führen im deutschen Bankensystem zu einer weiteren Verschärfung der Krise.  

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

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Weiße Edelmetalle

 

 

 

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Platin P.M. Fix (LPPM)

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Palladium P.M. Fix (LPPM)

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$604,00

(€439,75)

+ $10,00

andere Marktdaten

 

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76,9

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Renditen 10-jährige Treasuries

2,2 %

2,2 %

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35,0

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