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Bericht für den 1. November 2011 Does no longer compute Wann war der letzte
Euro-Rettungsgipfel, der die Hoffnung in der Öffentlichkeit wecken sollte, dass
man nun endlich einen Ausweg aus der Euro-Krise gefunden habe. Richtig –
Dienstagabend bis Mittwoch zu früher Stunde; genau vor einer Woche. Und nun müssen die sich
wegen ihrer angeblichen Entschlusskraft hoch gelobten Nicolas Sarkozy und Angela Merkel im Vorfeld des G20-Gipfels zum
Ende dieser Woche in Südfrankreich erneut treffen. Euro-Krisengipfel
– das ist derzeit eher die Regel als die Ausnahme im europäischen
Geschäft. Derweil schrumpft die Halbwertszeit, zu welcher der nächste Gipfel
fällig wird, infinitesimal zusammen. Das erinnert mich an
eine Geschichte, die in Informatiker-Kreisen über die erste Mondlandung erzählt
wurde. Die Fähre, die mit den Astronauten auf dem Mond landen sollte, wurde
durch Prozessoren der damaligen Technologie gesteuert. Aus Messwerten, die
ermittelt und als Interrupt (Unterbrechnung)
dem Prozessor übertragen wurden, sollten die Steuergeräte für eine bruchfreie
Landung generiert werden. Jedoch je näher sich diese Fähre der Mondoberfläche
näherte, desto mehr Messwerte unterbrachen die Rechenfunktion des
Steuer-Prozessors. Bis schließlich der Prozessor nur noch mit der Abarbeitung
der den Berechnungs-Ablauf unterbrechenden Messerfassungs-Prozeduren,
sogenannten Interrupt Service Routines,
beschäftigt war. Damals war die Lösung
die Umschaltung auf Handbetrieb. Denn ein Prozess-Rechner, der nur noch mit der
Abarbeitung von Overhead beschäftigt ist, kann keine
Steuersignale mehr liefern. Diesem Zustand nähern
sich unsere Euro-Rettungseliten immer mehr an. Die eigentliche Politik tritt in
den Hintergrund und man ist nur noch mit der Abarbeitung von Krisenfällen
beschäftigt. Die EU verhält sich wie
ein solcher Prozess-Rechner: Sie kann einfach keine sinnvolle Tätigkeit mehr
erledigen – oder auf neudeutsch: The EU-Processor does no longer compute. Gestern war es die
Pleite von dem N.Y. FED Primary Dealer MF Global, der
anscheinend auf eine umfangreiche Rettung der Staatsanleihen der PIIGS-Staaten spekuliert hatte. Gleichzeitig hat dieser
Rohstoff-Broker auch noch die Rohstoffbörsen in den Vereinigten Staaten
durchgewirbelt. Wir werden sehen, wie viele Leichen dieser Konkurs noch an die
Wasseroberfläche spülen wird. Die Nachricht des
heutigen Tages (also ein weiterer Interrupt für den
EU-Prozessor) war die Entscheidung der griechischen Regierung, das Volk zum
weiteren Schicksal des Landes im Euro-Raum zu befragen. Dieses Damoklesschwert
einer Ablehnung weiterer moderater Sparforderungen der Euro-Gruppe durch die
Griechen wird den EU-Prozessor die nächsten Wochen dauerhaft belasten. Wir wissen, dass die
Euro-Eliten jede Methode anwenden werden, um den Bankrott des Landes abwenden
zu können. Und wenn es der reale Einsatz der Methode eines Ben Bernanke sein sollte, den Griechen die Hilfsgelder per
Helikopter abzuwerfen. Nur damit die offenstehenden Kredite noch bedient werden
können. Die europäischen
Aktienindizes drehten daraufhin stark ins Minus – der besonders gehebelte
DAX sank um über fünf Prozent. Aber auch die Rohstoffe und Edelmetalle brachen
mit dem Euro ein – lediglich Gold konnte seine Deflations-Stärke wieder
einmal ausspielen. Der Kurs sank zwar auch kräftig in US-Dollar berechnet. Aber
der Euro-Goldpreis war im Laufe des Tages nur kurz einmal in den negativen
Bereich abgedriftet. Um 21:30 Uhr MEZ stand
Euro-Gold dann mit EUR 1.255 um 1,5 Prozent höher als gestern. Und auch die
Dollar-Verluste verwandelten sich im Laufe des Handels in einen kleinen Gewinn. Die Wende hat zum
Nachmittag wohl die FED eingeleitet, damit die Märkte
nicht total absaufen. Damit konnte der heutige Verlust beim Dow Jones
Industrial Average zumindest auf knapp 300 Punkte
begrenzt werden. Das entsprach zwar dem Mittags-Kurs dieses Aktienindex –
aber wenigstens ging es zum Handelsschluss nicht unter diese Marke. Das FOMC hat heute schon
getagt und Entscheidungen werden wohl morgen gegen 19:15 Uhr MEZ verkündet
– weil die USA noch nicht auf Winterzeit umgestellt haben – also
eine Stunde früher als gewohnt. Der US-Dollar kann vor
technischer Stärke kaum noch laufen. Der US-Dollarindex legte erneut kräftig um
0,8 Punkte auf 77,3 zu. Die Real-Renditen der 10-jährigen Treasury Notes sanken
um mächtige 0,2 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent. Dadurch ist der aus dem
Quotienten vom USDX und den Real-Renditen berechnete Index um 3,9 Punkte auf 38,7
heute geradezu explodiert. Für die FED wäre es in
der derzeitigen Lage ein Einfaches, das Weltfinanz-System absaufen zu lassen.
Allerdings wäre die US-Wirtschaft dann augenblicklich auf einen wegen fehlender
Industrien nicht mehr vorhandenen starken Produktions-Binnenmarkt angewiesen.
Dazu müsste man jedoch erst einmal China beerdigen – was der Komplexität
einer Trennung siamesischer Zwillinge gleichen würde. Vielleicht hofft man in
Washington und New York insgeheim, dass es dieses Monster über sein marodes
Schattenbanken-System selbst zerlegt. Wichtige Marktdaten im Überblick
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