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Bericht für den 15. November 2011 Wann kippt die Goldpreis-Drückung? Während in der Euro-Zone
ein Staat nach dem nächsten wie in einer Dominokette fällt, sinkt der Goldpreis
trotzdem – obwohl er der Crash-Theorie folgend eigentlich steigen
müsste. Ist Gold doch nicht das
richtige Investment für Krisenzeiten, wie uns die Systempresse weismachen
möchte? Parken wir diese Frage
einmal und schauen auf die Gold-Nachrichten am heutigen Tage. Da berichten
SPIEGEL ONLINE, WELT und HANDELSBLATT übereinstimmend von den massiven
Goldverkäufen des Hedgefond-Stars John Paulson in Höhe von fast einer Milliarde US-Dollar. John Paulson
war vor einigen Monaten bereits durch Aussagen aufgefallen, dass er anstelle
von Gold-ETF Papieren – das sind börsennotierte
Fonds, bei welchen die emittierten Anteile zu praktisch hundert Prozent mit
physischem Gold gedeckt sein müssen – selbst physisches Gold bevorzugt.
Man hat seinerzeit gemutmaßt, dass er den Gold-ETFs
nicht traut, ob diese wirklich vollständig physisch mit Gold hinterlegt sind.
Der größte dieser ETFs (SPDR) lässt beispielsweise
sein Gold durch die Goldkartell-Bank HSBC lagern. Nun hat Paulson genau diese ETF-Papiere
in den letzten Monaten abgestoßen. Wenn der ETF zu hundert Prozent mit Gold
hinterlegt wäre und sich keine anderen Käufer für diese Papiere fände, dann
müsste der ETF seine Goldmenge entsprechend durch Verkäufe an den Märkten
reduzieren. Das wirkt dann natürlich preissenkend. Obwohl die Systemmedien
dem Leser mit ihrem Berichtsstil den Eindruck geben, dass mit Paulson nun ein Groß-Investor aus Gold aussteigen würde und
dies als Signal für einen massiven Preisverfall zu interpretieren sei, stellt
sich die Situation in der Realität eigentlich ganz anders dar. Gold, speziell dieser
ETF ist höchstliquide – praktisch wie Bargeld – und kann bei
Liquiditäts-Bedarf des Hedge-Fonds innerhalb der
Handelsstunden an der New Yorker Börse in US-Dollar gewandelt werden. Hedge-Fonds engagieren sich mit Long- und Short-Positionen an
diversen Märkten, seien es nun Aktienmärkte, Rohstoff- oder auch Bondmärkte mit
hoch gehebelten Positionen. Das heißt ein Großteil des dafür notwendigen Geldes
wird von Banken geliehen. Entwickeln sich die Märkte entgegen der Wette des Hedge-Fonds, dann geraten die gehebelten Positionen schnell
in Not – der Fond muss entweder die Position Zwangsliquidieren (dann mit
großem Verlust) oder Geld nachschießen, damit die Bank wieder ausreichende
Sicherheiten für das geschrumpfte Portfolio hat. Da Hedge-Fonds
wenig Barreserven halten, bleibt ihnen dann nur der Rückgriff auf ihre liquideste Anlageform – Gold. Nun ging es ja in
praktisch allen Märkten die letzten Monate zum Teil rasant nach unten. Das hat
die Hedge-Fonds ebenso wie die klassischen Investoren
wie Aktien-Fonds auf dem falschen Fuß erwischt. Es ist zu vermuten, dass auch
John Paulson kräftige Verluste bei seinen Aktien- und
Rohstoffbeständen zu verzeichnen hatte und immer noch hat. Eine zweite, ebenfalls
bei John Paulson nicht auszuschließende Erklärung
wäre, dass er seine Gold-ETF Anteile über den Umweg
US-Dollar in physisches Gold eintauscht hat. Damit er das unbemerkt tun kann,
wählt er nicht die Variante, seine ETF-Scheine in
Form von 400oz-Barren ausliefern zu lassen (das geht ab einem Volumen von
10.000 Unzen bei dem SPDR ETF). Kommen wir nun zum
heutigen Geschehen an den Gold-Märkten: Dort scheint auf den ersten Blick auch
beim Goldpreis eine gewisse Sättigungsneigung eingetreten zu sein. Der Preis
des gelben Metalls schafft es derzeit einfach nicht, sich oberhalb der Marke
von $1.800 zu etablieren. Wenn das Gold-Kartell
für diese Entwicklung verantwortlich zeichnet, dann ist diese Macht trotz
weltweiter Schuldenkrise immer noch in der Lage, das gelbe Metall unter
Kontrolle zu halten. In Wirklichzeit sehen
wir eine Euro-Schwäche beziehungsweise Dollar-Stärke, die zwar den Goldpreis in
US-Dollar sinken lässt. Aber der Eurogold-Preis verändert sich praktisch kaum
und liegt mit Werten jenseits der Marke von 1.300 Euro eigentlich gut im
Rennen. Wenn die Groß-Investoren
europäische Staatsanleihen in großem Maße abstoßen, dann müssen sie irgendwo
hin mit ihren ein- und zweistelligen Milliarden-Beträge. Aus dem Euro-Raum
wollen sie flüchten – aber welche Märkte sind so groß und liquide, um
kurzfristig ohne große Kursschwankungen diese Geldmengen aufsaugen zu können.
Da bleibt dann praktisch nur noch der US-Dollar und eventuell der japanische
Yen übrig. Beim Gold ging es heute
früh zum Ende des asiatischen Handels plötzlich um $15 nach unten. Kurz nach
Eröffnung des Londoner Handels sank Gold sogar zeitweise auf $1.760. Der A.M. Fix kam mit
$1.765,00 (EUR 1.302,39) um $15 niedriger als noch vor 24 Stunden zustande. Wer nun jedoch auf einen
Durchmarsch des Gold-Kartells gewartet hatte, der wurde enttäuscht. Anstatt
weiter zu sinken, begann der Goldpreis zu steigen. Ein wichtiges Signal war
dabei der mit $1.785,00 (EUR 1.317,14) sehr starke P.M. Fix –
Tageshöchststand. Und ein Plus von neun Dollar im Vergleich zum gestrigen P.M.
Fix. Im Anschluss konnte das
Kartell den Preis zwar wieder auf $1.770 drücken. Aber zum COMEX-Schluss
wurde mit $1.780,90 (EUR 1.315,30) doch ein leichtes Tagesplus erreicht. Für
die Euro-Goldinvestoren verblieb ein Anstieg von über zehn Euro. Der US-Dollarindex
(USDX) stieg wegen des starken Dollars um 0,4 Punkte auf 77,9 an. Wichtige Marktdaten im Überblick
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