Bericht für den 21. Dezember 2011

 

Gold-Kartell verteidigt bearische Chartmarke

 

Zu früh gefreut. Diejenigen, die mit dem gestrigen Durchbruch der 200-Tage Linie bei Gold charttechnisch eine neue Aufwärts-Entwicklung in Richtung neuer Höchststände beim Gold erwartet hatten, wurden heute im Laufe des Londoner Vormittags-Handels enttäuscht.

 

Das Gold-Kartell kennt diese Marken nur zu genau – und die reflexartigen Bewegungen, welche die eher spekulativ orientierten Papiergold-Investoren vollziehen.

 

Das Hotel in der Nähe von Danzig war doch telekommunikationstechnisch besser angebunden, als erwartet. Denn eigentlich liegt es in der Stadt Straschin (Straszyn), einem früheren Amtsbezirk im Kreis Danziger Höhe. Das einzige Deutsche, was ich allerdings erblicken konnte, war der LIDL-Supermarkt, der noch kurz vor 21:00 Uhr offen hatte.

 

Zurück zum gelben Metall: Ich hatte meinen Bericht gestern bewusst unter dem Titel VORSICHTIG gestellt – denn so richtig wollte ich an eine nachhaltige Erholung beim Gold nicht glauben. Diese Befürchtung hat sich (leider) heute bestätigt.

 

An der Euro-Rettungsfront kam die heutige Schlagzeile von der EZB: Man gewährt den Banken in einem ersten Tender drei Jahre lang billige Euro-Liquidität für praktisch wertlose Vermögenswerte – wie beispielsweise südeuropäische Staatsanleihen. Das schafft dem Bankensystem zumindest einen Liquiditäts-Puffer, und man verschiebt das Problem nach altbekannter Politiker-Art in die Zukunft.

 

Warum nicht gleich so – warum müssen staatenmassakrierende Maßnahmen wie die diversen Euro-Rettungsfonds ergriffen werden, die letztlich sowieso nicht wirken können. Da greift die einzige Partei, die Euro-Liquidität unbegrenzt praktisch aus dem Nichts erschaffen kann, viel wirksamer in die Märkte ein. Wenn die EZB will, dann kann sie wie die FED, die BoJ und die BoE die Märkte in ihre Richtung bewegen. Natürlich nur dann, wenn es um Vermögenswerte in der eigenen Währung geht.

 

Der Investor, der das erkennt, flüchtet mit seinem Papier möglichst schnell in beständigere Asset-Klassen. Denn obwohl die EZB ihm praktisch mit diesen Maßnahmen sein Vermögen nominell garantiert, fällt die Kaufkraft desselben in immer schnelleren Stufen. Denn Hyperinflationen haben sich in der Vergangenheit auch über mehrere Jahre hinweg entwickelt – zuerst sah es noch ganz harmlos aus ...

 

Das Prinzip unserer Papiergeld-Ritter war die letzten Jahre sowieso immer die gleiche: Mittels einer negativen Realverzinsung die geldigen Vermögenswerte über die Zeit abzuwerten. Insoweit konnte man mit Geldanlagen real – das heißt bezogen auf die reale Kaufkraft – nur verlieren. Natürlich spiegeln uns die gefälschten Inflations-Zahlen ein anderes Bild vor. Aber viele Investoren sehen eben nur die Normal-Rendite von vielleicht drei oder zwei Prozent – und vergessen dabei, dass selbst die offiziell ausgewiesene Preissteigerung mehr als zwei Prozent beträgt. Und die Steuerlast, ob sie nun heute oder nachgelagert in der Zukunft getragen werden muss, beträgt in vielen Fällen bereits mehr als 30 Prozent der angeblich erwirtschafteten Erträge. Dann sind wir bei dem obigen Modell bereits bestenfalls bei Null oder einer negativen Realverzinsung.

 

Wenn man nun die Betrugs-Hebel, welche die Statistik-Behörden zur Verschleierung der wirklichen Inflationsraten ansetzen heranziehen, dann versteht man, warum Gold & Co bereits ohne latente Crash-Gefahr um zehn Prozent und mehr pro Jahr steigen müssen. Da wird ein Desktop-Rechner, der vor zwei Jahren 1.000 Euro, aber nur die Hälfte der Kapazität hatte, zum heutigen Preis von ebenfalls nominal 1.000 Euro in der Statistik mit nur 500 Euro – also einer Deflation von 50 Prozent über zwei Jahre – preisdrückend berücksichtigt. Und wenn sich ein Haushalt wegen der Preissteigerung bei Rinderfilet dieses statistisch nicht mehr leisten kann, dann nehmen die Statistiker eben an, dass der Kunde auf Schweinefilet ausweicht. Plötzlich hat man bei diesem Lebensmittel aus einer massiven Inflation sogar eine Deflation generiert.

 

Zweiter Anlauf zu Geschehen an den Gold-Märkten: Das gelbe Metall wurde im asiatischen Markt heute früh, wohl bedingt durch die charttechnische Marke auf $1.625 hochgetrieben. Im Londoner Vormittags-Handel ging es dann weiter aufwärts, bis kuzzeitig die Marke von $1.640 nach oben durchbrochen werden konnte.

 

Der A.M. Fix kam mit $1.637,50 (EUR 1.243,83) zustande. Ein 24-Stundenplus von $33.

 

Dann setzte das Gold-Kartell aber mit seiner Gegenaktion ein: Innerhalb weniger Minuten wurde Gold auf $1.625 gedrückt.

 

Im Vorfeld der New Yorker COMEX ging es dann weitere zehn Dollar auf $1.615 herunter. Damit waren alle heutigen Tagesanstiege bereits ausgelöscht worden.

 

Gold schwankte in der Folge bis zum P.M. Fix im Korridor zwischen $1.610 und $1.620. Der P.M. Fix mit $1.608,00 (EUR 1.232,85) verriet uns, was das Gold-Kartell heute plante. Denn nun stand Gold bereits im Tagesvergleich um sechs Dollar niedriger als zum gestrigen Nachmittags-Fixing.

 

Weitere Rückschläge gab es im Verlauf des verbleibenden COMEX-Handels zwar nicht. Aber mit $1.611,90 schloss Gold um vier Dollar niedriger als gestern zu der gleichen Zeit.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.637,50

(€1.243,83)

$1.605,00

(€1.227,91)

+ $32,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.608,00

(€1.232,85)

$1.613,50

(€1.230,27)

- $5,50

COMEX Schlusskurs

$1.611,90

NA

$1.615,60

NA

- $3,70

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$29,75

(€22,74)

$29,28

(€22,41)

+ $0,47

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.425,00

(€1.091,10)

$1.425,00

(€1.086,95)

unverändert

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$632,00

(€483,90)

$620,00

(€472,90)

+ $12,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,0

79,7

+ 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

2,0 %

1,9 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

40,0

41,9

- 1,9

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2011

Parse Time: 0.233s