Bericht für den 23. Dezember 2011

 

Vorweihnachtliche Ruhe

 

Kurz vor den Weihnachts-Feiertagen kommt das Geschäft beim Gold langsam zur Ruhe. Nachdem man eine Erholung oberhalb der Marke von $1.600 abgebremst hatte, gab es die letzten Tage wenige Impulse, den Preis des gelben Metalls hochtreiben zu wollen.

 

Der Londoner Nachmittags-Handel fand heute nicht statt, da sich die Trader bereits im Weihnachtsurlaub befanden.

 

Ein gute Gelegenheit, die Edelmetall-Kurse mit denen vor 12 Monaten zu vergleichen: Gold steht heute $220 höher oder 16 Prozent. Silber steht wie vor einem Jahr bei $29 – war also im Jahresverlauf unverändert.

 

Dagegen verloren die beiden PGM-Metalle Platin und Palladium im Jahresvergleich: Platin gab $290 ab oder 16,8 Prozent und Palladium verlor sogar $135 oder 17,4 Prozent.

 

Aber in Anbetracht der derzeitigen Liquiditätssituation hat Gold, aber selbst Silber seine relative Stärke gegenüber dem Papiergeld ausspielen können.

 

Denn die Menge des schuldfreien Gelds, das in der Lage ist, ohne Kredithebel Vermögenswerte kaufen zu können, ist laut Information von Herrn Vartian in den letzten vier Monaten drastisch eingebrochen. Herr Vartian vermutet, dass der China-Crash derzeit gigantische Ausmaße haben dürfte – denn bislang waren es insbesondere die Asiaten, die Eigenkapital-Geld angehäuft hatten.

 

Auch Fremdkapital-Geld kann natürlich Vermögenswerte kaufen. Aber im Gegensatz zum Eigenkapital-Geld wird sein Einsatz durch zwei Faktoren begrenzt: Zum ersten die Fristigkeit, denn nur Eigenkapital-Geld hat eine unendliche Laufzeit. Es kann also keine Bank oder sonstige Drittpartei kommen, die auf Rückzahlung dieses Geldes drängen könnte – deshalb sind die damit gekauften Vermögenswerte auch vor einer Zwangsliquidation sicher. Kommen wir damit zum zweiten Faktor – den Leverage-Effekt. Mit Eigenkapital-Geld gekaufte Vermögenswerte werden ohne Leverage / Hebel erworben. Beim Fremdkapital-Geld müssen die Vermögenswerte aber verkauft werden, wenn entweder (a) der Kredit sein Laufzeitende erreicht hat und durch die Bank nicht verlängert wird oder (b) der zugrunde liegende Vermögenswert ein aktuelles Preis-Niveau erreicht, das nahe oder unterhalb des gewährten Kredits liegt. In diesem Falle würde die Bank eine Zwangs-Liquidierung oder einen Nachschuss von Eigenkapital-Geld (margin call) fordern.

 

In Europa und den Vereinigten Staaten wird ja schon seit Jahren bis in die angeblich besser verdienende Mittelschicht eher aufgeschuldet als zusätzliches Eigenkapital-Geld gebildet. Unser derzeitiger Bundespräsident wird zwar in der Presse eher als unrühmliches Beispiel dieser Entwicklung dargestellt – er ist aber ein typisches Beispiel dafür, dass sich die Schere selbst in dieser Schicht zwischen der Fiktion aus Sachzwängen des eigenen Lebensstandards und der Realität des eigenen Verdienstes in zunehmenden Maße öffnet.

 

Wenn freie Liquidität aber immer mehr zur Ausnahme wird, dann ergeben sich jenseits der Preis-Entwicklung von Gold & Co ganz andere Konsequenzen. Denn dann sind die Volksersparnisse, die im Prinzip ja nichts anderes sind, als eine Forderung aus einem Kredit-Verhältnis gegenüber einem Schuldner, praktisch wertlos. Denn wer Vermögen besitzt, das er nicht in Liquidität wechseln kann – entweder, um seinen Lebensunterhalt bezahlen zu können oder andere Verpflichtungen aus Kreditverträgen wie Leasing-, Konsum und Hypotheken-Kredite bezahlen zu können – der besitzt dieses Vermögen in Wirklichkeit nicht.

 

Deshalb musste neulich die EZB mit einem Dreijahrestender zu einem Prozent Nominalverzinsung  über 300 Milliarden Euro pseudo-Vermögen in Liquidität umtauschen. Denn ohne Liquidität würde das System deflationär abschmieren. Auf der anderen Seite balanciert die europäische Notenbank auf einem schmalen Grad. Denn wird zuviel Liquidität dem System zugeführt, dann würde dies die Inflation anheizen.

 

Deshalb hatte Angela Merkel recht damit, sich nicht von den EU-Kommissaren, den südländischen Kostgängern und den anderen Umverteiler-Parteien in die Lage des unbegrenzten Zahlmeisters drängen zu lassen. Denn im Zweifelsfalle kann nur die EZB das derzeitige Liquiditäts-Problem lösen – kein EFSF, kein ESM und auch keine Euro-Bonds. Wenn es am Markt keine Excess Liquidity gibt, dann kann auch keiner diese Schuldtitel gegen Eigenkapital-Geld kaufen. Diese Instrumente sind solange eine Totgeburt, wie die möglichen Gläubiger wie China selbst geldflach sind.

 

Ein frohes Weihnachtsfest wünsche ich allen meinen Lesern.  

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.607,50

(€1.229,07)

$1.609,00

(€1.231,44)

- $1,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

Kein Handel

$1.606,50

(€1.231,13)

 

COMEX Schlusskurs

$1.605,00

NA

$1.609,90

NA

- $4,90

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$29,22

(€18,63)

$29,30

(€18,67)

- $0,08

Platin P.M. Fix (LPPM)

Kein Handel

$1.414,00

(€1.084,35)

 

Palladium P.M. Fix (LPPM)

Kein Handel

$631,00

(€483,90)

 

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,0

80,0

unverändert

Renditen 10-jährige Treasuries

2,0 %

2,0 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

40,0

40,0

unverändert

 

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