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Bericht für den 28. Dezember 2011 Roter Riese EZB Mit der weihnachtlichen
Ruhe scheint es beim Euro schon wieder vorbei zu sein. Nachdem die EZB mit
mehreren hundert Milliarden Euro den europäischen Banken-Sektor mit frischer
Liquidität zum Niedrigstzins zu einem Prozent bei einer Laufzeit von drei
Jahren versorgt hatte, war eigentlich anzunehmen, dass sich das Euro-System
stabilisieren sollte. Das war aber nicht der
Fall – statt dessen verlor der Euro heute gegenüber dem US-Dollar um über
0,9 Prozent. Man konnte sich dann wohl wieder nicht anders helfen, als Gold der
Mitglieds-Staaten auf den Markt zu kippen, was man an dem plötzlichen Einbruch
um zwanzig Dollar zum Londoner P.M. Fix ablesen konnte. Gold gehört ebenso wie
Fremdwährungs-Anlagen zu den sogenannten Devisen-Reserven, mit denen eine
Zentralbank wie die EZB ihre Währung an den internationalen Devisen-Märkten
verteidigen kann. Insoweit ist es dieser Philosophie folgend gar nicht
ungewöhnlich, dass Gold & Co auf den Markt gekippt werden, wenn der Euro schwächelt. Dabei hat sich die
Bilanz-Summe der EZB die letzten Monate auf weit über 4.000 Milliarden Euro
aufgebläht. Im Oktober waren es noch 4.013,1 Milliarden Euro – aber da
sind noch nicht die ganzen Stützungs-Aktionen der letzten beiden Monate
eingerechnet, die in der Summe die Bilanz wohl jenseits der Marke von fünf
Billionen Euro getrieben haben dürften. Ende 2010 betrug die
EZB-Bilanzsumme noch 3,2 Billionen, zum Jahresschluss 2009 2.830 Milliarden
Euro. Und das sind noch alles Zahlen nach der Lehman-Krise im Herbst 2008. Rote Riesen nennt man
Sterne (oder Sonnen), bei denen der für die Kernfusion notwendige Wasserstoff
ausgeht. Diese Sonnen dehnen sich in ihrer Endphase enorm aus. Schließlich
kommt es entweder zu einer Supernova-Explosion oder das Gebilde schrumpft zu
einem Weißen Zwerg zusammen. Die EZB kämpft derzeit
gegen die Implosion des europäischen Banken-Sektors nebst der Finanzierung
(Netto-Kreditaufnahme der Haushaltsdefizite plus das Überrollen bestehender
Staatsschulden bei Fälligkeit der Zinspapiere) der öffentlichen Staatshaushalte
der Euro-Länder. Damit sollte der
Euro-Bankensektor eigentlich genug Liquidität besitzen, um seinen
Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Und selbst wenn diese Banken
US-Dollarliquidität nachfragen sollten, dann kann die EZB über ein im Umfang
unbegrenztes Euro/Dollar-Swap-Arrangement Euro-Liquidität in
US-Dollar-Liquidität eintauschen. Für
Zins-Arbitragegeschäfte wäre das die bestmögliche Situation: Die Bank leiht
sich langfristig (3 Jahre) Geld zu einem Prozent bei der EZB und kauft dafür
beispielsweise 2-jährige italienische Staatsanleihen zu fünf Prozent. Wenn nach
zwei Jahren der Euro und Italien noch existieren sollten, dann kann die Bank
risikolos vier Prozent Gewinn an diesem Investment machen. Da die Bank die
Staatsanleihen bis zur Fälligkeit halten würde, wäre ein Preisrutsch dieser
Papiere während der zwei Jahre auch neutral. Aber die Probleme
scheinen viel tiefer zu liegen – ansonsten hätten die Maßnahmen der EZB
und der FED inzwischen schon längst das europäische Bankensystem stabilisieren
sollen. Eines der Probleme sind
wohl Schattenbanken-Systeme, die sich nach der Lehman Brother-Pleite wieder im
Finanzsystem gebildet zu scheinen haben. Über Instrumente der nachgelagerten Generierung von Schuldverschreibungen aus Assets wie Hypotheken aber auch Aktien, Rohstoffen und
Staatsverschuldungen haben die Fonds und das Bankensystem – zum größten
Teil ohne Wissen ihrer Einlagenkunden – ein Vielfaches der Geldmenge
generiert. Die Pleite von MF Global zeigt, dass selbst eine Broker-Firma, die
eigentlich nur treuhänderisch die Assets
ihrer Kunden verwalten soll, diese Kundeneinlagen an Dritte verleiht, um daraus
zusätzlichen Ertrag erzielen zu können. Gehen diese Leihgeschäfte schief, dann
verliert nicht nur der Kunde einen Teil seines sicher geglaubten Investments.
Nein – auch die in der Verleihkette generierte Geldmenge, welche leicht
die Summe des Kundeninvestments überschreiten kann , kollabiert plötzlich. Dies führt nun zu der
Situation, dass viele Marktteilnehmer, die nicht über den Luxus der
Monetarisierung ihrer Vermögenswerte via Zentralbanken verfügen, alle
verfügbaren und kurzfristig liquidierbaren Assets
abstoßen müssen, um an die dringend benötigte Dollar- oder Euro-Liquidität zu
kommen. Vereinfacht kann man
dies mit dem Verhalten eines Privathaushalts vergleichen. Solange die Einnahmen
aus Unternehmer-Tätigkeit oder unselbstständiger Arbeit höher sind als die
Kosten der Lebenshaltung, ist noch alles in Ordnung. Mit der überschüssigen
Liquidität kann der Haushalt seine Goldreserven aufstocken. Gibt es viele
solcher Privathaushalte mit Überschuss-Liquidität, dann wird der Preis von Gold
steigen. Kommt es nun zur
Stagnation der Einnahmen bei gleichzeitig durch Inflation steigenden Ausgaben,
so schrumpft dieser Überschuss immer stärker zusammen. Der Privathaushalt ist
nun nicht mehr – trotz einsetzender Sparmaßnahmen – in der Lage,
sich Gold hinzuzukaufen. Kommt es nun durch
Arbeitslosigkeit oder massiven Rückgang der Umsätze zu einem Ausfall der
Einnahmen, so verbleiben nur noch die Ausgaben. Da Liquidität in Gold gesammelt
wurde, bleibt dem Privathaushalt nichts anderes übrig, als diejenige Menge Gold
monatlich zu verkaufen, die der Haushalt zur Deckung seiner Ausgaben benötigt.
Geht es vielen Haushalten gleichzeitig schlecht, so kommt es zu einem
Überangebot an Gold. Besitzen nur noch wenige Investoren Überschuss-Liquidität,
um dieses Gold kaufen zu können, dann wird der Preis fallen. Man sieht: Die
sogenannten starken Hände am Goldmarkt können zu einer Belastung werden, wenn
sie sich selbst wegen ihrer eigenen Existenz-Sicherung von ihrem Gold trennen
müssen. Natürlich nutzt das Gold-Kartell diese veränderte
Angebots-/Nachfrage-Situation beim Gold zu seinem Vorteil aus. Deshalb
überzeichnen die derzeitigen Preisrückgänge auch diese Fundamentaldaten. Nun ist diese negative
Liquiditätsbilanz bei den Privathaushalten und Investoren nicht nur ein Problem
beim Gold. Denn sie betrifft genauso weniger liquide Asset-Klassen. Lösen die Notenbanken
das Problem nicht kurzfristig, so wird das Finanzsystem deflationär
abschmieren. Und wenn die Papierwährungen im Rauch aufgehen, dann bleibt als
einzige verlässliche Liquiditäts-Quelle nur noch Gold & Co übrig. Beseitigen die
Notenbanken das Problem durch Injektion von Liquidität an geeigneten Stellen,
um die negative Liquiditätsbilanz wieder auszugleichen, dann wird auch der
Abfluss vom Gold zum Stehen bleiben. Im Überschussfall würde der Preisanstieg
wieder starten. Ich denke, dass es weiterhin
keinen Zweifel an der positiven Wertentwicklung beim Gold gibt. Eine
Bargeldversorgung, mit der man wenige Monate beim Ausfall seiner Einnahmen ohne
den Verkauf seiner Edelmetall-Bestände weiterleben kann, ist jedoch weiter
ratsam. Während dessen muss sich
das Camp der Hyperinflationisten mit seinen eigenen
Anlage-Empfehlungen die Wunden lecken. Wichtige Marktdaten im Überblick
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