Bericht für den 16. Januar 2012

 

Noch halten die Euro-Dämme

 

Wegen eines Feiertags in den Vereinigten Staaten waren sowohl die Edelmetall-Märkte an der New Yorker Comex, als auch die Aktien- und Bond-Märkte in den USA geschlossen.

Es ist also kein Wunder, dass sich trotz der Aktivitäten vom letzten Freitag im Nachgang der Bonitätsabstufung wichtiger Euro-Länder wie beispielsweise Frankreich an den handelnden Edelmetall-Märkten in Asien und Europa wenig bewegte. Jeder noch so kleine Versuch eines Sprungs über die Marke von EUR 1.300 beim Gold wurde jedenfalls zunichte gemacht.

Die Notierungen im Londoner Handel (siehe untenstehenden Überblick) machten dies deutlich.

Noch halten die Euro-Dämme. Die EZB wurde heute an den Bond-Märkten beim Ankauf italienischer Staatsanleihen sichtbar. Und eine Versteigerung kurzfristiger französischer Staatsanleihen lief besser als erwartet. Es wurde spekuliert, dass die französischen Banken diese Papiere gekauft haben, um sie dann der EZB weiterreichen zu können.

Dieses Spiel mit verdeckten Karten, bei dem künstlich Nachfrage über den Umweg der sogenannten Primary Dealer Banken bei den Neu-Platzierungen von Staatsanleihen geschaffen wird, kennen wir ja bereits seit mehreren Jahren von der FED, der Bank of England und der Bank of Japan.

Da die Welt-Liquidität weitgehend eingetrocknet zu sein scheint und die verbliebenen Investoren nun endgültig die Lust an Euro-Anleihen verloren zu haben scheinen, bleiben nur noch die FED zwecks Bereitstellung von US-Dollarliquidität an die europäischen Banken und die EZB als Aufkäufer der Euro-Anleihen an den Sekundär-Märkten als Nachfrager übrig.

Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Ein Euro-Staat muss neue Schulden aufnehmen, weil er entweder höhere Ausgaben als Einnahmen hat (Netto-Neuverschuldung). Oder bestehende Anleihen haben das Ende ihrer Laufzeit erreicht und der Staat muss seine Schulden ablösen. Da er das Geld dafür nicht besitzt, muss er eine neue Anleihe auflegen, um die alte bezahlen zu können – er muss die bisherige Anleihe überrollen.

Da ein Teil der Investoren diese Chance dazu nutzt, die Liquiditäts-Position auszuweiten (um beispielsweise Sonderkündigungen aus Lebensversicherungs- und Rentenverträgen auszahlen zu können), entsteht mangels Nachfrage nach den neuen Papieren ein Finanzierungs-Defizit bei den betroffenen Staaten. In einem freien Markt müsste der Staat deshalb sein Zins-Angebot an die Investoren so stark erhöhen, damit diese wegen eines ausbalancierten Verhältnisses zwischen Risiko und Zinssatz die Papiere kaufen.

Das würde jedoch zu einer Explosion der Finanzierungs-Kosten der betroffenen Staaten führen. Deshalb kaufen die Banken als Helfershelfer der EZB diese Papiere zu nicht marktgerechten niedrigen Zinsen. Die dafür notwendige Liquidität beschaffen sie sich über Langfrist-Ausleihungen von der EZB – dabei geben sie die gerade angekauften Staatspapiere als Pfand für einen Liquiditäts-Kredit durch die EZB in etwa gleicher Größenordnung weiter.

Die EZB monetarisiert also nicht direkt der Schulden der Staaten, was ihr ja nach den Statuten verboten ist. Außerdem gehört diese Methode des Gelddruckens zu den Aktionen von Notenbanken, die früher oder später in eine Stark- und Hyperinflation führen werden. Aber dadurch, dass sie mit dem zugesicherten Ankauf dieser Papiere durch Banken de facto doch diese Papiere monetarisiert, ergibt sich in der Konsequenz kein Unterschied: Der Staat lässt das benötigte Geld durch seine Notenbank einfach drucken.

Diese Methode erscheint eleganter als die Enteignung der Gläubiger durch Haircuts, der Vermögens-Besitzer durch Zwangsanleihen oder Vermögens-Abgaben und der Steuerzahler durch massiv erhöhte Steuern und Abgaben. Aber bei jeder dieser Aktionen wird frisches Geld aus dem Nicht geschaffen und in den Finanz-Kreislauf gepumpt.

De facto verwässert dieses zusätzlich geschaffene Geld das bisher im Umlauf befindliche Geld. Nur dadurch, dass ohne diese Maßnahmen die für das tägliche Bezahlen von Rechnungen notwendige Liquidität des Staates, der Unternehmen und der Verbraucher abnehmen würde, sehen wir derzeit noch keine Signale einer aufziehenden Stark-Inflation.

Aber auch die Deflations-Theoretiker, die immer wieder einmal großspurig Goldpreise von unter $500 prognostizieren, weil Liquidität immer kostbarer würde, verkennen die wirkenden Kräfte und Gegenkräfte des Monetarismus. Denn dieses System kann keine ernsthafte Liquiditäts-Krise verkraften. Käme es wirklich zu der Situation, dass Gold $500 kosten müsste, dann wären alle anderen Asset-Klassen nebst Schuld-Titeln schon längst in einer Super-Nova verdampft. Und das wäre dann auch das Ende der Papier-Währungen, wie wir sie heute kennen. Und mangels Alternative würde dann Gold anstelle der Dollar-, Euro, Yen- und Pfund-Liquidität treten.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.643,50

(€1.298,90)

$1.642,00

(€1.281,71)

+ $1,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.641,00

(€1.295,08)

$1.635,50

(€1.289,62)

+ $5,50

COMEX Schlusskurs

Kein Handel

$1.629,80

(€1.288,36)

 

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$29,90

(€23,61)

$29,64

(€23,20)

+ $0,26

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.495,00

(€1.179,50)

$1.479,00

(€1.163,65)

+ $16,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$640,00

(€504,95)

$627,00

(€493,30)

+ $13,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

81,5

81,4

+ 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

Kein Handel

1,9 %

 

Quotient aus USDX und Renditen

 

42,8

 

 

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