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Bericht für den 23. Januar 2012 Die Konsum-Sirenen und das süße Gift des Kredits Unsere innovative Finanz-Wirtschaft hat es möglich
gemacht: Wir leisten uns eine Eigentums-Wohnung beziehungsweise ein Haus, für
das wir den sechsfachen Wert unseres Jahres-Nettoeinkommens bezahlen müssen. Darüber
hinaus einen Fuhrpark, dessen Wert über Leasing-Verträge das Doppelte unseres
verfügbaren Jahreseinkommens darstellt. Hinzu kommt noch der jährliche Winter- und
Sommer-Urlaub. Denn der Nachbar in der gehobenen Mittelstands-Siedlung gönnt
ihn sich ja schließlich auch. Auf der anderen Seite hat man kein Geld mehr für
eigene Kinder – nach einer harten und entbehrungsreichen Schul- und
Ausbildungszeit möchte man schließlich nun die Früchte ernten, die uns tagtäglich
durch Presse, Funk und Fernsehen als erstrebenswertes Ziel vor die Nase
gehalten werden. Unsere Zukunftsvorsorge heißt gesetzliche Rente,
vielleicht noch angereichert mit einer vom Maschmeyer-Keiler
uns aufgezwungenen Riester-Rente, die uns - staatlich gefördert - von der
staatlich getragenen Stiftung Warentest in Form der Propaganda des Finanztest
Herman-Josef Tenhagen als die Ultima Ratio der
Geldanlage verkauft wird. Man sind wir bescheuert: Nicht-existenter Nachwuchs
soll in Zukunft nicht nur unsere Renten bezahlen, sondern darüber hinaus auch
noch für unser Wohlgefallen im Alter sorgen. Und die Riester-Rentenzahlungen
landen bestenfalls in den Konsum der durch die Politik wohlfällig gestalteten
Wählermassen – bestenfalls, wenn das Geld nicht nach Griechenland &
Co bereits abgeflossen ist. Welche Nutzungsdauer hat die Wohnung
beziehungsweise das Haus: Vielleicht 50 Jahre, da wir im Vergleich zu den
Vereinigten Staaten noch einigermaßen solide bauen. Trotzdem rechnen wir, wenn
die Unterschrift unter dem Kauf- und Hypotheken-Kreditvertrag geleistet wurde,
dass sich der Preis unserer Hütte über die Jahre vervielfachen würde. Wir obliegen dabei einer totalen Selbsttäuschung,
denn ein Haus mit einer Nutzungsdauer von 50 Jahren verliert pro Jahr
durchschnittlich zwei Prozent seines Ausgangswertes. Und dabei sind noch nicht
einmal die nach wenigen Jahren schon anfallenden ersten Instandhaltungskosten
enthalten. Selbst beim Auto ist das Vielen nicht mehr einsichtig, denn man
wechselt ja alle drei Jahre von einem Leasing-Vertrag zum Nächsten. Wenn man
das Fahrzeug ursprünglich mit Cash voll bezahlt hätte, dann würde man bei einer
Neubeschaffung nach sieben Jahren feststellen, dass das alte Gefährt nur noch
20 Prozent seines ursprünglichen Wertes erlösen würde. Und dass das neue Modell
um 30 Prozent teurer geworden ist. Damals hat man noch 20.000 Euro bezahlt und
heute müssen trotz Verkauf des Altfahrzeugs weitere 22.000 Euro aufgebracht
werden. Viele können dann ohne Kredit nicht mehr weitermachen. Willkommen in der Scheinwelt des Kredits. Man redet uns ein, dass Konsum heute ohne langfristige Ansparleistung möglich sei. Auch das
Eigenheim gehört übrigens zu einer der drei Säulen des Konsums: Lebensmittel,
Gesundheit und Wohnen. Das sind zwar die Fundamente unseres Existierens –
aber trotzdem Konsum, da wir sie täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich
in Anspruch nehmen, ohne dafür eine Rückerstattung zu erhalten. Das soll nicht als Kritik am Wohnen verstanden
werden – nur man darf sich dabei nicht selbst in die Tasche lügen, und
den Kauf einer Wohnung für den Selbstbedarf als Investment verbuchen. Der angebliche Wertzuwachs beim Eigenheim ist
Unsinn – auch wenn der Preis der Objekte in der Umgebung wirklich wegen
der starken Nachfrage über Jahre hinweg kontinuierlich steigen sollte. Das
eigene Objekt verliert in Realität die durchschnittlichen zwei Prozent pro Jahr
an Wert – sei es nun dem inflationierenden Euro
geschuldet oder anderen Faktoren. Und vor allen Dingen: Der Wertzuwachs ist ein
Scheingewinn, den wir sowieso nie realisieren werden, weil wir dann erst recht
in dem Objekt weiter leben möchten. Man fühlt sich als Gewinner und merkt gar nicht, dass
man nur weiter Konsum-Opfer bleibt. Der nächste Trugschluss: Die Kosten eines Kredits
seien mehr oder minder neutral. Egal, in welcher Einkommensgruppe man sich
befindet: Die Belastung jedes zusätzlich verdienten Euros betragen 40 Cent bis
50 Cent. Für die niedrigeren Einkommen überwiegt dabei die Belastung durch
Sozialabgaben – und bei den höheren Einkommen schlägt die Steuer-Progression
beziehungsweise der Spitzensteuersatz zu. Wenn die Mehrkosten eines
Hypothekenkredits – gegenüber einer Mietzahlung – monatlich 200
Euro ausmachen und man darüber hinaus noch 100 Euro monatlich für den
Kredit-Anteil eines Leasing-Vertrags für sein Fahrzeug berappen muss (die
Abnutzung des Fahrzeuges ist dabei schon berücksichtigt), dann muss dieser
Kreditsklave bereits 500 bis 600 Euro (brutto) monatlich mehr verdienen als
derjenige, der nicht von dem süßen Gift des Kredits gekostet hat. Letztendlich sind Konsum und Kredit von der Politik
und den dahinterstehenden Mächten gewollt. Denn Konsum schafft
Wirtschafts-Wachstum – und das ist der Heilsbringer für die Existenz
unserer sogenannten kapitalistischen Wirtschaftsordnung (die in Wirklichkeit
durch Mechanismen wie Geld- und Zins-Steuerung durch ein Zentralbank-Politbüro eher
planwirtschaftlich als marktwirtschaftlich gestaltet wird). Und ein Kredit-Nehmer ist eben ein Schuldner
– also jemand, der sich etwas zu schulden kommen hat lassen. Jeder so
Erpresste kann entweder durch Fälligstellen des Kredits in den persönlichen
Bankrott getrieben werden. Oder aber auch durch zeitweise Unterbindung der zur
Tilgung der Kreditzinsen nebst Tilgung notwendigen monatlichen Zahlungen. Ergebnis sind die rückgradlosen Gestalten unseres
sogenannten Mittelstands, die sich aus o.g. Gründen
weder trauen, gegen noch so massive Repressionen der Politik aktiv zu werden.
Noch die sich trauen, gegen die zunehmende Unterwürfigkeits-Kultur in den
Unternehmen Wort zu ergreifen. Viele haben die Bodenhaftung verloren – sie
können ihre eigene Situation einfach nicht mehr realistisch einschätzen. Trotz
technisch immer anspruchsvollerer Aufgaben im Beruf verlieren sie das Gefühl,
ihre eigene Lage realistisch einschätzen zu können. Und wer noch nicht einmal
merkt, dass er gnadenlos ausgenutzt wird und bei jedem kleinen Aufstand seiner
sozialen Stellung beraubt werden kann, mit dem kann man höchstens noch einen
Gefängnis-Planeten nach Vorstellungen vieler Vertreter der Neuen Weltordnung
betreiben. Wichtige Marktdaten im Überblick
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