Bericht für den 25. Januar 2012

 

FED überrascht die Märkte

Die FED ist doch noch für Überraschungen gut. Der Offenmarkt-Ausschuss (FOMC) hat heute nach zweitägiger Sitzung beschlossen, die Leitzinsen bis zum Jahresende 2014 auf dem derzeitigen niedrigen Niveau zu belassen.

Nach Bekanntgabe dieses Beschlusses sprang Gold innerhalb von Minuten vom (gedrückten) Stand bei $1.660 auf über $1.700.

Wieder einmal war es der Londoner P.M. Fix, zu dem die Manipulatoren den Preis des gelben Metalls auf den Tages-Tiefstand drücken konnten. Mit $1.650,00 (EUR 1.273,44) stand Gold zu diesem Zeitpunkt knapp $16 niedriger als noch vor 24 Stunden. Im Zweitages-Vergleich betrug der Verlust sogar $25.

Die LBMA ist inzwischen auch zu einem dominanten Handelsplatz von Papiergold verkommen. Die Kartell-Banken – wesentliche Mitgliedsunternehmen der LBMA – verkaufen dabei untereinander Lagerscheine auf physisches Gold, das sie selbst nur zu einem Bruchteil in ihren Lagern haben. Kein Wunder, ist doch die für den Spot-Preis verantwortliche Liste der Market-Making Banken das Who-is-Who des Gold-Kartells: The Bank of Novia Scotia (einer der Haupt-Silbermanipulatoren), Barclays, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, HSBC, JP Morgan Chase (einer der Haupt-Goldmanipulatoren), Societe Generale und UBS.

Kein Wunder, dass die LBMA sowohl Unallocated Accounts ( where specific bars are not set aside and the customer has a general entitlement to the metal ) als auch Allocated Accounts ( customer requires metal to be physically segregated and needs a detailed list of weights and assays ) anbietet. Es werden täglich mehr als 20 Millionen Unzen Gold in London gehandelt. Das sind mehr als 620 metrische Tonnen des gelben Metalls. Wenn man bedenkt, dass pro Jahr auf der Angebotsseite 120 Millionen Unzen Gold umgeschlagen werden, dann werden unter der Annahme, dass 100 Prozent allen physischen Goldes angebotsseitig an der LBMA gehandelt werden, dort lediglich 2 Prozent physische Geschäfte abgewickelt. Der Rest – d.h. 98 % - umfasst den Transfer von Papier-Gold.

Wie funktioniert nun das 98 % - Geschäft zwischen den Gold-Kartellbanken: Zuerst einmal dürfte einsichtig sein, dass Parteien, die 98 % des täglichen Volumens zu den beiden Fixing-Punkten der LBMA abwickeln, den Preis mehr oder minder stark bestimmen können. Theoretisch ohne Limits – aber die (wirklichen) Käufer und eventuell auf ein Schnäppchen wartende Hedge Fonds und andere spekulative Parteien platzieren wohl täglich größere Kauf-Orders zu einem stark gedrücktem Goldpreis. Würde das Kartell versuchen, den Preis unter diese Marken zu drücken, dann muss physisches Gold an diese Parteien ausgeliefert werden, welches die den Verkäufer spielenden Gold-Kartellbanken natürlich physisch nicht haben.

Wenn Kartell-Bank A an der LBMA Gold an Kartell-Bank B verkaufen soll, um den Preis zu drücken, so muss sich Bank A über Umwege wieder mit dem Gold von Bank B eindecken. Das geschieht über den Weg der Over-the-Counter (OTC) Märkte. Erstens haben OTC-Kontrakte keinen Einfluss auf die offiziellen Goldpreise. Und zweitens bleiben die Transaktionen im Dunkeln – das heißt ohne Kontroll-Möglichkeiten durch die sowieso schon zahnlosen Kontrollbehörden (z.B. CFTC in den Vereinigten Staaten).

Das Problem bei diesen Geschäften sind die zwei Prozent, die letztendlich wirklich geliefert werden müssen. Dieses Gold verliert Kartell-Bank A unwiderruflich an die physischen Käufer. Deshalb ist diese Art der Manipulation natürlich auf den Umfang des wirklich umgeschlagenen physischen Goldes beschränkt. Denn Gold, das verkauft und aus den Lagerhäusern verschwunden ist, kann man nicht noch einmal physisch liefern.

Um trotzdem an dieses frisch gekaufte echte Gold zu kommen, dienen sich die Banken den Gold-Sammelstellen als besonders preisgünstige und sichere Lagerstätten an. So landet das als Unallocated und selbst als Allocated Account gelagerte Gold wieder in genau denjenigen Lagerhäusern der Kartell-Banken an der LBMA, die es vor kurzem noch verlassen hatte.

Walter Eichelburg hat deshalb absolut recht, dass diese Gold-Sammelstellen inzwischen zu  Trojanischen Pferden des Gold-Kartells verkommen sind: Das angeblich gelagerte Gold existiert nur zu einem ganz kleinem Teil. Es ist zu vermuten, dass diese Gold-Sammelstellen – zuletzt ist selbst der angeblich solide Gold-ETF der Züricher Kantonalbank ins Gerede gekommen – mit weniger als zehn Prozent mit physischem Gold hinterlegt sind.

Wenn die sich als Goldbesitzer fühlenden Investoren ihre Münzen und Barren in Panik abrufen wollen, dann gilt die goldene Regel der Panik-Forschung: If there is a panic – panic first.

Aber zurück zum heutigen Marktgeschehen. Einzig und allein Platin konnte zum Zeitpunkt des P.M. Fixes fünf Dollar zulegen – ein Frühindikator für die relative Schwäche des US-Dollars, wie wir sie mit Bekanntgabe des FED-Beschlusses beobachten konnten (nicht meine These, sondern die von Herrn Vartian – heute hat sie genau das Ziel getroffen. Ich vermute einmal, dass er seine Hedges auf Gold vor 18:00 Uhr aufgelöst hat, damit sein gemanagtes Portfolio voll den Preisanstieg von $40 mitgenommen hat). Denn der US-Dollarindex (USDX) stürzte innerhalb kürzester Zeit von einem Stand von 80,3 auf 79,5 ab.

Zum Schluss möchte ich nicht auf die weitere Preisentwicklung beim Gold eingehen, sondern warum die heutige Nachricht der FED so goldfreundlich war. Einfach, weil die FED den Banken, die sich bei ihr für praktisch Null Prozent Zinsen Geld gegen hinterlegte Werte leihen können, für die nächsten drei Jahre Zinssicherheit garantiert.

Das heißt sie können beispielsweise Staatsanleihen bis 3 Jahre Laufzeit ersteigern, deren Niedrigstzinsen für drei Jahre kassieren und das aufgewandte Geld von der FED durch Hinterlegung dieser Titel bei der FED zurückbekommen. Selbst bei ein Prozent Zinssatz ist das ein risikoloses Geschäft (in unserem Papiergeld-System versteht sich). Das ist de facto Arbitrage – oder umgangssprachlich free lunch.

Die Gelddruck-Maschine wurde einen Gang höher gestellt. Man will die Staatsschulden-Krise über den Umweg der Arbitrage ( siehe  http://de.wikipedia.org/wiki/Arbitrage ) mit den Banken  als Arbitrageur durch die Notenpresse in den Griff bekommen.

Es ist jetzt 21:50 Uhr MEZ und ich muss doch noch einmal über den Goldpreis berichten: Der ist inzwischen auf über $1.710 gestiegen. Die Redakteure der goldnegativen Berichte in der deutschen Systempresse sind wieder einmal voll in das offene Messer gelaufen.

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.659,00

(€1.277,04)

$1.669,00

(€1.282,17)

- $10,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.650,00

(€1.273,44)

$1.665,50

(€1.283,23)

- $15,50

COMEX Schlusskurs

$1.700,00

NA

$1.664,20

NA

+ $35,80

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$31,67

(€24,43)

$31,95

(€24,57)

- $0,28

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.546,00

(€1.192,45)

$1.541,00

(€1.189,50)

+ $5,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$675,00

(€520,65)

$676,00

(€521,80)

- $1,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,5

79,9

- 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

1,9 %

2,1 %

- 0,2 %

Quotient aus USDX und Renditen

41,8

38,0

+ 3,8 (!!!)

 

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