Bericht für den 16. April 2010

 

Gold & Gesellschaft: Spargroschen ade?

 

Die Griechenland-Krise ist eigentlich eine Bankenkrise – das stellt sich bei genauerer Betrachtung der Situation heraus. Denn die Banken haben in dem Glauben, dass griechische Staatanleihen in einem gemeinsamen Euro-Raum genauso sicher sein sollen wie die deutschen Papiere, die Werte mit der höheren Verzinsung gewählt. Und das waren vor der Griechenland-Krise diese Papiere, die mit Real-Verzinsungen zwischen 4 und 5 Prozent für die 10-Jährigen lagen.

 

Vom Volumen her sind dabei die französischen Banken am meisten betroffen, pro Einwohner jedoch das Schweizer Bankensystem.

 

Woher kommen nun diese Gelder der Banken, die in griechische Staatsanleihen geflossen sind – natürlich von den Geldgebern der Banken, das heißt den Kunden, die der Bank ihre Ersparnisse zur Aufbewahrung und Vermehrung überlassen haben.

 

Wie verlaufen nun die Geldflüsse und welche Schuld-Verhältnisse gehen die einzelnen Parteien bei solchen Transaktionen ein.

 

Ein Kunde A legt beispielsweise EUR 50.000 bei der Bank B an. Nun hat die Bank B viele Kunden vom Typ A und sammelt so von 10.000 Kunden insgesamt EUR 500 Millionen ein. Für die EUR 500 Millionen kauft die Bank griechische Staatanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Zinssatz von 5 Prozent. Der Kunde erhält auf seine ebenfalls langfristige Einlage eine Verzinsung von 3 Prozent.

 

Die Bank nimmt pro Jahr für Zinszahlungen vom Griechischen Staat 25 Millionen Euro an Zinsen ein und schüttet 15 Millionen Euro an seine Kunden aus. Oder EUR 1.500 für den Typ A Kunden. Mit den restlichen 10 Millionen Euro Überschuss deckt die Bank ihre internen Kosten beziehungsweise erwirtschaftet einen Gewinn.

 

In dieser Beziehung ist Kunde A ein Gläubiger gegenüber der Bank B. Die Einlagen von Kunde A werden also auf der Passiva-Seite der Bilanz der Bank als Kundeneinlagen bilanziert. Die Bank B ist Schuldner gegenüber Kunde A.

 

Gleichzeitig ist die Bank B aber auch Gläubiger gegenüber dem griechischen Staat. Die Forderungen der Bank gegenüber Griechenland werden auf der Aktiva-Seite der Bilanz als Forderungen bilanziert.

 

Zahlt der griechische Staat nach 10 Jahren die Anleihe zurück, so wird das Schuldverhältnis von Griechenland mit Bank B durch Zahlung der Summe von EUR 500 Millionen aufgelöst. Die Bank sitzt nun auf Barreserven von EUR 500 Millionen und kann damit allen Kunden vom Typ A ihre EUR 50.000 auszahlen.

 

Wäre Griechenland jedoch nicht in der Lage, seine EUR 500 Millionen zurückzuzahlen, sondern könnte nur EUR 300 Millionen zurückzahlen, dann müsste Bank B die verbliebenen EUR 200 Millionen abschreiben. Dieser Betrag würde den Gewinn der Bank B um diese Summe vermindern oder, wenn kein Gewinn vorhanden wäre, das Eigenkapital der Bank um diese EUR 200 Millionen vermindern. Hat Bank B noch weitere Abschreibungen, dann könnte die Summe das Eigenkapital von Bank B vollständig aufzehren – Bank B wäre überschuldet oder besser gesagt pleite. Kunde A würde nun mit seinem Anspruch an Bank B aus der Konkursmasse der Bank bedient. Hätte die Bank beispielsweise ein Eigenkapital von EUR 100 Millionen, dann würde Kunde A von seinen angelegten EUR 50.000 dann nur noch EUR 40.000 zurückerhalten. Er hätte also 20 Prozent seines Spargroschens verloren.

 

Nun muss man sich die Frage stellen, was der griechische Staat mit den EUR 500 Millionen macht, wie er die Zinsen für 10 Jahre zahlt und wie er am Ende die EUR 500 Millionen zurückzahlt. Das große Problem ist – und das betrifft quasi alle Staaten und nicht nur Griechenland – dass der Staat das Geld ausgibt. Anders als eine Firma, der man Geld leiht, damit diese ein Investitionsgut kauft, das mit zukünftigen Erträgen aus der Geschäftstätigkeit zurückbezahlt wird, kann der Staat seine Zahlungen nur mit Steuern oder neuen Schulden bezahlen.

 

Praktisch kein Staat kann seine laufenden Kosten mit Steuereinnahmen finanzieren. Das heißt für die laufenden Zinszahlungen und die Rückzahlung auslaufender Darlehen muss der Staat neue Staatschulden aufnehmen. Das geht solange gut, bis die Anleger diesem Staat nicht mehr vertrauen, weil seine Verschuldungs-Quote zu hoch ist. Plötzlich können dann die zur Rückzahlung anstehenden EUR 500 Millionen überhaupt nicht mehr finanziert werden.

 

Wie in einem Schneeball-System türmt sich so eine immer größere Schulden-Lawine auf, die wegen des defizitären Staatshaushaltes überhaupt nicht mehr abzutragen ist. Wenn die Aufschuldung nicht mehr funktioniert, dann kollabiert das gesamte System innerhalb von Tagen. Da der Staat keine pfändbaren Objekte hat, die man zu Geld machen kann, würden so praktisch alle ausstehenden Forderungen der Banken gegen den Staat von einem auf den anderen Tag wertlos.

 

Die sicher geglaubten Einlagen der Kunden sind dann genauso verloren. Denn die Bank ist nichts anderes als ein Finanz-Broker vom End-Kunden zum Staat. Der Kunde kann nur darauf hoffen, dass die Bank bei anderen Investments besser investieren konnte, so dass nicht die komplette Spareinlage verloren ist.

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Es sieht so aus, als wollte auch das Gold-Kartell Walter Eichelburg, Betreiber der Webseite hartgeld.com, zum Geburtstag ein Ständchen singen. Da hat man heute alles aufgeboten, was man an Instrumenten zur Verfügung hat. Und alles schön ordentlich geplant vom Anfang des Handels an der COMEX bis zum Ende. Damit ja kein Zweifel auftaucht, wer hinter dieser Aktion steckt. Jede der drei Drückungswellen war dabei wohl die Unterschrift der drei großen Goldkartell-Banken: JP Morgan, HSBC und Deutsche Bank.

 

Nun aber ernsthaft: Den Notenbanken läuft derzeit der Ölpreis davon. Der stand nämlich vor kurzem schon bei $86 und nähert sich immer mehr der Marke von $100. Und das bei einem im Vergleich zum Euro relativ starken US-Dollar. Schuld ist natürlich die massive Liquidität, mit der die Märkte vor einem deflationären Total-Kollaps bewahrt werden soll. Ein Teil dieser Gelder fließt wie gewünscht in die Bond-Märkte und erlaubt somit eine praktisch problemlose Aufschuldung der Staatshaushalte. Ein anderer Teil befeuert die Aktien-Märkte. Damit soll die Alterssicherung, die in den USA aber auch Großbritannien zu einem Großteil durch Aktien gestützt ist, stabilisiert werden. Aber unerwünschterweise kann man mit diesem Geld auch Rohstoffe und Edelmetalle erwerben. Und hier wird es gefährlich für das System.

 

Ein hoher Ölpreis schlägt praktisch auf alle Bereiche der Wirtschaft durch – Starkinflation droht. Die Gefahr besteht, dass die gefälschten Statistiken, die eine Deflation bei Verbrauchsgütern andeuten, nicht mehr länger geglaubt werden, wenn die Vorprodukte im Wholesale-Bereich zwischen zehn und zwanzig Prozent pro Jahr steigen.

 

Also muss das System den Ölpreis angreifen. Das macht es dadurch, indem die CarryTrade-Währung Yen gegenüber dem US-Dollar angehoben wird. Diese Breitband-Maßnahmen treffen dann all diejenigen Asset-Klassen, die nicht verzinslich sind. Also neben Rohstoffen und Edelmetallen auch die Aktien.

 

Christian Vartian hat diese Phänomen in einem seiner Hard Assets Makros wie folgt beschrieben: Eine Spekulationsart ist der Carry- Trade, die Kreditaufnahme in einer Währung mit sehr niedrigen Zinsen und die Veranlagung des superbilligen Kredites in Anleihen einer anderen Währung (das geht aber auch ohne Wechselkursrisiko- siehe obiger Absatz). Daher wird der Cross- Currency- Carry- Trade derzeit stärker zur Veranlagung in Öl, Aktien, Rohstoffen, Immobilien, Edelmetallen eingesetzt. Die niedrigsten Zinsen bieten der große YEN und der kleine CHF. YEN zum EUR ist eine wichtige und oft übersehene Carry-Trade Kategorie. Hebt man nun den YEN im Kurs z.B. gegen den EUR oder USD an, entsteht eine Liquiditätsklemme, die Öl, Aktien, Rohstoffen, Immobilien, Edelmetallen das Geld wegnimmt, ohne den EUR zu crashen. Bei den Aktien kann die Wirkung aber lokal sein.

 

Natürlich versucht man dies für die System-Presse zu verschleiern. Heute dadurch, dass die Börsenaufsicht SEC Goldman Sachs wegen seiner Verwicklungen bei CDOs anklagt. Aber auch hier gilt: Nicht ablenken lassen – auf die wahren Bewegungen im Hintergrund achten. Und die sagen YEN/EUR um 1,7 Prozent nach oben und YEN/USD um 1,1 Prozent nach oben. Öl minus $2,50 (minus 3 Prozent) und die Edelmetalle durchgängig mit Abschlägen von 2 Prozent (Gold) bis zu 4 Prozent (Silber). Dazwischen liegen dann noch Platin und Palladium. Der europäische STOXX50-Aktienindex minus 2,1 Prozent.

 

Warum soll Gold sinken, wenn Goldman Sachs angeklagt wird. Was hat eine Klage wegen CDOs mit dem Ölpreis zu tun. Richtig: Gar nichts. Deshalb die Goldman Sachs Meldung bei der Beurteilung des heutigen Marktgeschehens einfach einmal ausblenden.

 

Drei Angriffswellen gab es heute bei Gold. Die erste beginnt praktisch mit Eröffnung des Handels an der COMEX und ließ den Goldpreis innerhalb einer Stunde um $10 einbrechen. Der anschließende P.M. Fix sorgte für eine kurze Verschnaufpause, die Gold wieder nahe an die Marke von $1.155 hochtrieb.

 

Anschließend, das heißt nach Schluss des Handels in London folgte die zweite Welle: Hier wurde Gold innerhalb einer Stunde um knapp $20 gedrückt.

 

Nach einer weiteren kurzen Erholungspause folgte Angriffswelle 3, die Gold um weitere $10 absacken ließ. Mit einem kurzzeitigen Durchbruch der Marke von $1.130 war dann allerdings der Tiefpunkt für heute erreicht.

 

Trotz dieser klassischen Handschrift des Gold-Kartells ist diesmal die Situation anders: Früher wurde die Drückung zu den physischen Marken in London (A.M. und P.M. Fix) vorbereitet. Das bedurfte größerer Mengen physischen Goldes. Dieses Muster konnten wir heute nicht beobachten. Stattdessen werden jetzt die o.g. Währungs-Manipulationen angewandt. Gold kann man eben nicht drucken wie Geld. Das heißt: Das Kartell ist blank – es hat keinen Zugriff zu größeren Mengen physischen Goldes mehr.

 

Das ist eine wichtige Beobachtung. Denn die Zentralbanken verkaufen nicht mehr oder haben ihre theoretisch verbliebenen Bestände längst verliehen. In den Kellern der BoE und der N.Y. FED gibt es nur noch Placebo-Gold, das in Wirklichkeit mit Wolfram gefüllt ist. Und selbst die bislang sicher geltenden ETFs aus Kanada und der Schweiz scheinen praktisch leer zu sein. Das Gold-Kartell ist physisch bankrott.

 

Die oben beschriebenen Währungs-Manipulationen wurden auch schon letzte Woche während der heißen Phase der Griechenland-Krise angewandt. Dort haben sie aber kaum gegriffen. Und wenn dann konnte Gold nur vor einem noch stärkeren Anstieg gebremst werden. Deshalb blockiert das Gold-Kartell, wie wie seit heute wissen, auch den Anstieg über die Marke von $1.160.

 

Wer nach dem heutigen Tag Gold-Jammerer spielt, der wird bald Zeit dafür haben, nicht nur zu jammern, sondern in Tränen auszubrechen: Wenn er nämlich überhaupt kein physisches Gold mehr in Mengen zu heutigen Preisen wird kaufen können.

 

Das Gold-Kartell hat heute noch einmal seine Muskeln zeigen können – aber auch seine verletzliche Seite offenbart: Es gibt kein physisches Gold mehr in Mengen, mit dem die Märkte noch zu manipulieren wären.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.157,00

(€853,69)

$1.151,25

(€849,95)

+ $5,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.151,50

(€851,26)

$1.154,50

(€851,72)

- $4,00

COMEX Schlusskurs

$1.136,30

$1.159,50

- $23,20

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,8

80,5

+ 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,8 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,3

21,2

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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