Bericht für den 1. Juli 2010

 

Gold & Gesellschaft: Stunde der Goldzitterer

 

Was für ein Feuerwerk mussten wir heute erleben: Der Euro ist gegenüber dem US-Dollar um über zwei Prozent angestiegen: Der US-Dollarindex (USDX) fiel um rekordverdächtige 1,2 Punkte auf 84,8. Ab 9:00 Uhr MEZ stieg der Euro zum US-Dollar praktisch linear von $1,220 auf 1,248 um 18:00 Uhr an. Das entspricht einen Anstieg von 2,3 Prozent. Ebenfalls rekordverdächtig.

 

Trotzdem stieg der von mir ermittelte Quotient aus dem USDX und den Real-Renditen der 10-jährigen Treasury Notes um 0,5 Punkte auf 29,2 an. Der Grund war, dass der weitere Rückgang der Real-Renditen der Treasuries um 0,1 Prozent-Punkte auf 2,9 Prozent den Rückgang des USDX mehr als kompensiert hat.

 

Das sind weitere Hinweise darauf, dass wir heute einen massiven Eingriff der Notenbanken zu Gunsten des Euros an den Devisen-Märkten gesehen haben. Die Treasuries steigen im Wert (d.h. fallen in der Real-Rendite) mit dem schwachen Aktien-Markt. Denn die Nachrichten von der Real-Wirtschafts-Front waren heute erneut nicht gut. Bloomberg meldete: U.S. stocks fell, sending the Standard & Poor’s 500 to a 10-month intraday low, as data on manufacturing and home sales that trailed economists’ estimates fueled concern that the economic recovery is in peril.

 

So, so – was sagen denn die Zahlen zum Häusermarkt? Ein Makler-Index, der die Verkäufe von gebrauchten Häusern modelliert, ist innerhalb eines Monats um 30 Prozent gefallen. Das passiert halt einmal, wenn man den Häusermarkt bislang nur mit staatlichen Subventionen am Leben erhalten kann.

 

Noch interessanter ist die heutige Entwicklung am Gold-Markt. Am Vormittag sah alles noch – jedenfalls wenn man die Zahlen in US-Dollar betrachtet – ruhig aus. Der Londoner A.M. Fix um 11:30 Uhr MEZ war mit $1.240,00 (EUR 1.009,77) einen knappen Dollar niedriger als gestern zu der gleichen Zeit. Der Verlust in Euro war zwar etwas höher, aber das lag ja an dem in neun Stunden linear gehoben Euro.

 

Aber gestern mussten wir schon die Beobachtung machen, dass Gold praktisch festgenagelt nicht von der Stelle kam. Und wenn man berücksichtigt, dass gestern der US-Aktienindex gesunken ist, dann hatte sich Gold am gestrigen Tage eigentlich ganz positiv entwickelt. Das ist nicht die Entwicklung, die unsere Markt-Manipulatoren sehen wollen. Es wurde also schon gestern eine signifikante Golddrückung ausgeführt – man hat bloß den Rückgang nicht gesehen, weil die Marktlage den Goldpreis nach oben befördert hatte.

 

Man musste heute also etwas tun. Und diese Entwicklung setzte mit dem Plan B zu Beginn des COMEX-Handels ein. Dort hat man auf Basis von $1.240 den Gold-Preis die nächsten Stunden genauso linear gedrückt, wie der Euro gegen den US-Dollar gehoben wurde. Der Effekt für Euro-Gold: Es ging hier noch kräftiger nach unten als in US-Dollar berechnet.

 

Zum Londoner P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ, das heißt eine Stunde und vierzig Minuten nach Eröffnung der COMEX, musste man nun noch mit einer massiven physischen Position nachhelfen, um die Drückung aufrechtzuerhalten können. Zum P.M. war Gold dann schon auf $1.234,00 (EUR 993,00) gedrückt – ein Rückgang um zehn Dollar. Wegen des (wie berichtet) weiterhin stärker werdenden Euros fiel Euro-Gold sogar um zwanzig Euros zurück.

 

Da die heutige Aktion gut durchgeplant war, ging es nun verschärft im reinen Derivate-Handel in New York gegen Gold weiter abwärts. Gegen 18:30 Uhr MEZ war mit $1.207 Gold nun bereits gegenüber dem P.M. Fix mit $27 im Minus. In Euros war Gold zwischenzeitlich schon unter die Marke von €970 gefallen.

 

Zum COMEX-Schluss beendete Gold praktisch auf dem Tages-Tiefstand den Handel mit $1.208,00 – das sind $37 weniger als noch am gestrigen Tag. Euro-Gold stand zu diesem Zeitpunkt unter der Marke von EUR 970 – die Marke von EUR 1.000 ist also heute signifikant nach unten durchbrochen worden.

 

Nun setzte im handelsschwachen Access Handel die sogenannte Plan C Drückung ein, die wir schon lange in diesem Umfang nicht mehr beobachten konnten. Gold fiel in der Folge zeitweise unter die Marke von $1.200.

 

Die weißen Edelmetalle erwischte es mit Ausnahme von Silber heute nicht so stark. Aber Platin verlor auch $30 und Palladium $13. Silber musste heute mit Gold unter der Drückung leiden – wahrscheinlich war hier wieder JP Morgan besonders aktiv. Wie in solchen Fällen üblich, ist der Schaden für den kleinen Bruder von Gold noch größer.

 

Wahrscheinlich werden sich nach den vielen positiven Berichten über Gold in den System-Medien nun die Kommentatoren melden, die in Gold eine Blase sehen. Oder die schon immer gesagt haben, dass Gold ein spekulatives und deshalb riskantes Investment sei. Der Finanztest-Tenhagen wird sich wieder bestätigt darin sehen, dass Riester-Rente und Schreber-Gärten die bessere Alternative zu Gold seien. Und die diversen Goldzitterer, die schon vor fünf Jahren die Aufwärts-Entwicklung des gelben Metalls beobachtet haben und bei jedem Anstieg zu dem Schluss gekommen sind, dass Gold jetzt eigentlich zu teuer sei, werden sich in dieser Ansicht bestätigt fühlen. Aber anstatt jetzt die relativ niedrigen Goldpreise zu einem Einstieg zu verwenden, schaut man nun auf die diversen Seiten auch im Internet, wo selbsternannte Chart-Techniker und Elliott-Idioten wohl wieder den Rückgang des Goldes auf $500 vorhersagen.

 

Und so warten die Goldzitterer nun weiter auf den Moment, wo Gold sich in Richtung ihres gewünschten Einstiegs-Kurses von $500 entwickelt. Warten auf Godot nennt man dies.

 

Das Gejammere ist eigentlich ein positives Zeichen. Es zeigt, dass Gold bei einem Großteil der Bevölkerung immer noch nicht angekommen ist. Deshalb versucht man sein Vertrauen in das bestehende Finanzsystem mit Ressentiments gegen Gold zu übertünchen. Dabei hat derjenige, der im Jahr 2005 für 330 Euro sein erstes Gold erworben hatte, in der Zwischenzeit sein Vermögen verdreifachen können.

 

Die Spielchen mit dem beliebig vermehrbaren Papiergeld können zwar ab und zu solche Feuerwerke, wie wir sie heute erleben durften, generieren. Aber am Ende ist Gold nicht vermehrbar und wird sich mit der zusätzlich gedruckten Geldmenge nach oben bewegen. Das Problem der Weltwirtschaft, das Problem des Finanz-Systems und das Problem der Staaten selbst löst sich nämlich nicht langsam – sondern es verschärft sich zunehmens. Wer auf Geldwerte vertraut, der wird zu den ersten Schafen gehören, die im besten Falle kräftig geschoren werden. Wenn sie nicht sogar ihr Leben dabei verlieren werden.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.240,00

(€1.009,77)

$1.240,50

(€1.011,25)

- $0,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.234,00

(€993,00)

$1.244,00

(€1.012,70)

- $10,00

COMEX Schlusskurs

$1.208,00

NA

$1.245,00

NA

- $37,00

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,65

(€15,12)

$18,74

(€15,25)

- $0,09

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.514,00

(€1.221,95)

$1.532,00

(€1.251,65)

- $18,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$433,50

(€349,90)

$446,00

(€364,40)

- $12,50

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

84,8

86,0

- 1,2

Renditen 10-jährige Treasuries

2,9 %

3,0 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

29,2

28,7

+ 0,5 %

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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