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Bericht für den 18. August 2010 Gold & Gesellschaft: Chinesisches Schatten(banken)boxen Manchmal ist es gut, die Ereignisse des Jahres 2008
noch einmal Revue passieren zu lassen. Seinerzeit brach nämlich ein Konstrukt
zusammen, das ohne billionenschwere staatliche Rettungs-Maßnahmen und der
Überflutung der Weltgeld-Märkte mit Zentralbank-Geld zu einer Mega-Deflation
und in der Folge dem Auslöschen unseres Finanzsystems geführt hätte: Das
Schattenbanken-System. Außerhalb des (offiziellen) Bankensystems, welches
den Regelungen der Finanz-Aufsicht, bestimmten Anforderungen an die Ausstattung
mit Eigenkapital und durch eine von Zentralbanken gelenkte Zins- und
Geldmengen-Politik unterliegt, entwickelte sich ein zweites System, das weder
kontrollierbar noch regulierbar war. Dort wurden faule Hypotheken-Kredite
angekauft nebst Studenten-Darlehen und selbst Kreditkarten-Schulden und mit
Hilfe von Verbriefungen an diverse Investoren wie Pensions-Fonds,
Lebensversicherungen, Banken und Geldmarkt-Fonds verkauft. Borrow
short – lend long lautete das Geschäftsmodell: Langlaufende Hypotheken
wurden angekauft und man finanzierte diese mit kurzlaufenden
Ausleihungen. Die Zindifferenz zwischen den
Anlageformen bildete das Geschäftsmodell dieses System. Diese sogenannten Structured Investment Vehicles
(SIV) hatten insbesondere die deutschen Landesbanken und die Hypo Real Estate (HRE) zu besonderer Berühmtheit verholfen. Das System brach in sich zusammen, nachdem die SIVs wegen des Preisverfalls ihrer langfristigen Anlagen keine
Käufer mehr für ihre Verbriefungen mehr fanden – denn sie waren permanent
darauf angewiesen, dass sie ihre Anlagen günstig umschulden konnten. Um
Notverkäufe und eine deflationäre Abwärtsspirale zu vermeiden, wurden die
Verbriefungen in die Bilanzen der Banken überführt und mit Hilfe
milliardenschwerer staatlicher Zuschüssen und Ankaufsvereinbarungen mit den
Notenbanken unter Quarantäne gestellt. Hierbei wurde zwar kräftig getrickst, weil die
schlechten Anlageklassen nur durch eine Umbuchung nicht plötzlich gut werden,
aber im (offiziellen) Bankensystem kann die Notenbank immer beliebig viel
Liquidität für die darbenden Banken bereitstellen. Staatliche Geldspritzen und
Ankaufsprogramme (swap arrangements)
mit den Notenbanken verhinderten eine Überschuldung der Banken. Das Schattenbanken-System war damit auf einen
Schlag tot. Nun berichtet die International Herald Tribune in
ihrer heutigen Ausgabe unter dem Titel In China, suspicions of financial engineering, dass dort anscheinend mit ähnlicher
Methode wie seinerzeit im Westen ein Schattenbanken-System geschaffen wurde. Crackdown aims
to halt loan practices like those that
sank Western bank
– man versucht von staatlicher Seite die Praktiken (des
Schattenbanken-Systems) zu verhindern, die damals die westlichen Banken
versenkt haben. In dem Bericht wird von Investment Trusts gesprochen, die
Bankkunden als Alternative für ihre schlecht verzinsten Einlagen geboten
werden. Das Geld wiederum fließt in lokale beziehungsweise regionale
Infrastruktur-Programme, zum großen Teil auch Prestige-Objekte der lokalen
Partei-Bonzen und entzieht sich so der finanziellen und auch politischen
Kontrolle der Zentral-Regierung. Das wäre noch nicht so besorgniserregend, wenn
nicht bereits Investoren in diese Trusts ihr Geld verloren hätten. Was den Vereinigten Staaten ihre Subprime-Schuldner
mit Mega-Häusern war, ist in China nun anscheinend die regionale Parteiführung
mit ihren Prestige-Infrastrukturbauten. Das feuert natürlich die Wirtschaft an,
so wie seinerzeit in den USA. Schafft aber nicht nur eine Blase, sondern eine
riesige Investment-Ruine, die viele Investoren zukünftig entsparen
wird. Von der Kernschmelze der chinesischen Bauindustrie, der dann die Aufträge
ausbleiben werden, einmal ganz zu schweigen. Und genau das zusammengebrochene SIV-Konstrukt wird hier wieder gecycelt,
wie die Herald Tribune berichtet: The regulators,
suspecting that banks and trusts are secretly repackaging
old loans and moving them off bank balance sheets,
are concerned that Chinese institutions may have engaged
in the same sort of financial engineering that got Western banks into trouble.
Engineering ist hier nicht als Ingenieurs-Kunst zu verstehen, sondern als Trickserei. Die PBoC (Peoples Bank of China) versucht schon seit geraumer Zeit,
das Kredit-Wachstum mit restriktiven Methoden der Geldpolitik in den Griff zu
bekommen. Anscheinend ohne Erfolg – denn wenn Kredit zusätzlich über das
Schattenbanken-System generiert wird, dann hat die PBoC
weder Informationen darüber, noch kann sie dies beeinflussen. Nach einer Schätzung von Fitch
befinden sich 2.300 Milliarden Yuan ($340 Milliarden)
sogenannter trust-related Produkte in den Bilanzen
der chinesischen Banken. Hinzu kommen die derzeit unsichtbaren Ausleihungen in
dem SIV-Konstrukten: Regardless of how the transaction
is structured, credit is disappearing
from the bank balance sheets,
resulting in pervasive understatement of credit growth.
Credit risk has not disappeared but merely been transferred
to investors. Das Kredit-Volumen
verschwindet zwar aus den Banken-Bilanzen und hinterlässt den falschen Anschein
einer niedrigen Kredit-Ausweitung. Aber das Kredit-Risiko ist nicht
verschwunden – es liegt jetzt beim Investor selbst. So kann die gutgemeinte Geldmengen-Politik der
Zentralbank zwar die Überhitzung des offiziellen Kredit-Sektors kontrolliert
steuern. Wenn sie dabei aber die Blase der Anlagen im Schattenbanken-System
ansticht, dann könnte sich China in einer ähnlichen Situation wiederfinden, wie
die FED seinerzeit in den Jahren 2006 bis 2008. Wie das ausgegangen ist, wissen
wir ja. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Da hat es ja wirklich heute mal ein
Markt-Teilnehmer versucht, den Gold-Preis zum Londoner P.M. Fix zu drücken. Bei
$1.218 wurde ein kleines Tages-Doppeltief erreicht. Und eine knappe halbe
Stunde später – im reinen Derivate-Handel
– oh Wunder stieg das gelbe Metall um über zehn Dollar. Aus der Drückung
wurde dann sogar noch ein merklicher Tages-Anstieg. Da hat wohl eine EZB-Notenbank ihr physisches
Gold-Pulver verschossen und trotzdem hat der Feind ihre Stellung überrannt. Dies
ist gefährlich für das Gold Kartell, das an der heutigen Aktion wegen
Dilettantismus wohl sicherlich nicht beteiligt war. Wenn doch, dann wäre es an
der Zeit, selbst seine sanitären Anlagen gegen Gold zu tauschen – denn
der dann folgende Anstieg des Goldes würde dann mächtig ausfallen. Aber über die Signal-Wirkung dieser heutigen
Preisbewegung ist sich auch das Gold Kartell bewusst. Und so wurde Gold bei
$1.233 hart gestoppt. Das haben die Markt-Teilnehmer verstanden und keinen
weiteren Anlauf unternommen. Sie werden es trotzdem die nächsten Tage
versuchen. Im Gegensatz zu dem, was da heute geschehen ist, handelt
es sich bei den Gold Kartell Banken nämlich um Vollprofis. Wer in einem bereits
seit dem Jahr 2000 andauernden Bullen-Markt permanent Short ist und dem es
dabei noch gelingt, die spekulativen Longs
reihenweise aus ihren Positionen zu drängen und dabei wohl noch positive
Einkünfte erzielen kann, der verdient meinen Respekt. Obwohl es sich um gegen
die Märkte gerichtete Kräfte handelt, die eigentlich eher ins Gefängnis gehören
als an ihren Trading-Screen. Aber die Prechters und Gartmans dieser Welt glauben immer noch an ihre
Elliott-Wellen oder sonstigen technischen Trading-Theorien. Wer selbst tradet weiß, dass das Verlustrisiko auf der Long-Seite auf
den Betrag des zugrundeliegenden Metalls begrenzt ist. Bei Engagements auf der Short-Seite jedoch praktisch unbegrenzt. Wenn ich
beispielsweise einen COMEX-Future-Kontrakt kaufe,
dann kann ich theoretisch 100 * $1.200 = $120.000 verlieren, wenn Gold
plötzlich nichts mehr wert sein würde. Gehe ich einen Short-Kontrakt
ein und steigt Gold beispielsweise auf die Eichelburgschen
$50.000, dann beträgt mein Verlust schon 100 * $50.000 = $5 Millionen. Dabei fing der Tag so ruhig an: Gold trat im
asiatischen Handel in eine Erholungs-Phase, bei welcher der Kurs stets unter
dem gestrigen COMEX-Schlusskurs lag. Das ist
eigentlich auch nach so vielen positiven Handelstagen in Folge ein Zeichen,
dass das Metall nicht nur von Spekulanten hochgetrieben wird. Im Londoner
Vormittags-Handel bestätigte sich diese Entwicklung, denn der A.M. Fix mit
$1.223,00 (EUR 948,95) war sowohl vier Dollar niedriger als der gestrige COME-Schlusskurs und die Marke von EUR 950 war nach unten
durchbrochen. Nachdem Gold in den ersten Minuten des beginnenden
Handels an der New Yorker COMEX auf den gestrigen Schlusskurs anstieg –
und dabei wohl auch die Marke von EUR 950 berührte – brannten bei einem
Marktteilnehmer wohl einige Sicherungen durch. Der P.M. Fix kam
überraschenderweise bei $1.218,00 (EUR 946,09) zustande. Bei jeder ordentlich initiierten Drückung müsste
nun eine zweite Angriffswelle im COMEX-Handel folgen.
Diese blieb jedoch aus. Nachdem eine Reihe von Teilnehmern mit dem Nachkauf von
Gold den Preis wieder steigen ließen, war klar, dass die Drückung wohl nur ein
punktuelles Ereignis im Londoner Nachmittags-Handel war. Aus dem ursprünglich
leicht nachgebenden Gold-Kurs ohne P.M. Drückung wurde nun ein steigender
Gold-Kurs mit einem Preis mehrere Euros über der Marke von 950. Mission not accomplished. Der Gold-Preis wurde dann zwar bei $1.233 hart
gestoppt und in der Folge fiel das gelbe Metall zum COMEX-Schluss
auf $1.230 zurück. Aber das war trotzdem eine der seltenen Aktionen, die wir
beobachten durften. Die Weißen Edelmetalle standen heute unter Druck.
Der US-Dollar stabilisierte sich und die 10-jährigen Treasury Bonds schwankten
heute wieder knapp unter dem Rundungsfehler im Bereich 2,6 bis 2,7 Prozent. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
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