Bericht für den 30. August 2010

 

Gold & Gesellschaft: Die 3 Goldinvestor-Typen

 

Deutschland ist nach Statistiken des World Gold Councils (WGC) auf den ersten Rang derjenigen Nationen gerückt, welche weltweit die größten Gold-Käufer für Investment-Zwecke sind. Dabei ist das Investment in Gold auch in Deutschland immer noch die Ausnahme. Bei genauerer Analyse der Investoren lassen sich folgende drei Typklassen identifizieren:

 

1. Der Goldsparer

 

Dieser Investor-Typ hat Angst um seine Zukunft: Ansprüche aus der Gesetzlichen Rentenversicherung, die wegen der demographischen Entwicklung zukünftig nicht mehr zu erfüllen sein werden; Entwertung seiner Spareinlagen durch Inflation; Bankrott der privaten Alterssicherungs-Systeme; staatliche Vermögens-Enteignung; Währungsreform.

 

Er strebt nicht an, bei einem plötzlichen explosionsartigen Preis-Anstieg der Edelmetalle die Chance zu ergreifen, sein Gold in spottbillige Immobilien oder praktisch wertlose Aktien umzutauschen, um bei diesen Werten den nächsten zu erwartenden Preis-Anstieg mitzunehmen. Er will einfach nur Verlässlichkeit und Sicherheit für sein hart erarbeitetes Vermögen.

 

Deshalb spart er unter konservativen Annahmen soviel Gold, Silber und gegebenenfalls andere physische Edelmetalle an, um sie in der Zukunft zur Lebenssicherung zu verbrauchen. Der Goldsparer ist self-made Rentenversicherer. Er zahlt keine Abschluss- und Kontoführungs-Gebühren. Er braucht keinen riesigen Verwaltungs-Apparat, der ihn die Arbeit des Investierens abnimmt. Er lässt sich nicht von staatlichen Sirenen zum Abschluss von Riester- oder Rürup-Renten verleiten. So wie andere ihre Sparleistung in diverse Verträge und Konten erbringen, tauscht er sein Geld einfach in physische Edelmetalle um. Dazu braucht er Disziplin, um nicht in Versuchung zu kommen, dem Konsumrausch zu frönen. Er weiß, dass Gold und Silber ihre Kaufkraft über einen längeren Zeitraum behalten – deshalb hält er von allen Anlageformen in Geld auch nichts, weil diese zwar Zinsen erwirtschaften aber dafür durch Inflation das Papier-Geld an Kaufkraft verliert.

 

2. Der Goldinvestor

 

Der Goldinvestor teilt die Ängste des Goldsparers. Aber sein Fokus ist nicht primär die Absicherung des Lebensstandards für das Alter. Sondern er will mit dem Investment in Edelmetallen primär sein Vermögen vermehren. Vielfach reicht auch im Vergleich zum Goldsparer die Ansparsumme nicht, um sich neben den untergehenden Alterssicherungs-Systemen ein solides Standbein aufzubauen. Insoweit steht der Goldinvestor mittelfristig unter Zeitdruck: Auf der einen Seite kann er nicht wie der Goldmarkt-Akteur die derzeitige Lage dazu ausnutzen, sein Edelmetall-Vermögen zu vermehren. Auf der anderen Seite muss er wie der Goldsparer ab einem bestimmten Zeitpunkt sein Edelmetall-Vermögen beginnen aufzulösen, um bei Pensionierung oder auch Arbeitslosigkeit seinen Lebensstandard erhalten zu können.

 

Der Goldinvestor erwartet deshalb den Zeitpunkt des System-Zusammenbruchs eher früher als andere Investoren-Typen. Denn spätestens dann wird sein Portfolio im Wert explodieren und er kann nun als Neureicher auf ein sorgenfreies Leben blicken. Er beobachtet gleichzeitig Immobilien-Preise, Aktienkurse und andere Asset-Klassen und versucht auf dem Höhepunkt der Krise sein Edelmetall dorthin umzuschichten. Dabei hofft er, dass es in den neuen Anlageklassen nach Überschreiten des Tiefpunktes schnell zu kräftigen Preis- und Kurserholungen kommen wird.

 

3. Der Goldmarkt-Akteur

 

Dieser Investor-Typ ist nicht mit den Tradern zu verwechseln, die meist mit Derivaten agieren und dabei am liebsten diejenigen Finanz-Werte für ihre Wetten auswählen, welche die größte Volatilität verzeichnen. Der Goldmarkt-Akteur weiß, dass nur der Besitz von physischen Edelmetallen unter eigener Kontrolle ein gegenparteirisikoloses Investment ist. Trotzdem greift er gelegentlich auf stark gehebelte Instrumente der Finanz-Märkte wie beispielsweise Options-Scheine zurück, um seine physischen Bestände vor Preiseinbrüchen abzusichern oder in Aufwärtsphasen überproportional von dem Anstieg zu profitieren. Dafür braucht er etwas Papiergeld, das er neben seinem Edelmetall-Investment hält. Er weiß, dass er bei solchen Geschäften auch einmal daneben liegen und seinen kompletten Einsatz verlieren kann. Aber er riskiert dabei trotzdem nicht seinen physischen Edelmetall-Bestand – so ist für ihn ein Hedging eingegangener Future-Positionen an den Edelmetallmärkten mit Hilfe seines physischen Portfolios eine Todsünde.

 

Sein Motto lautet: Gold gewinnen – indem er nämlich die Erträge aus seinem aktiven Handeln gleich wieder in Edelmetalle investiert.

 

Der Goldmarkt-Akteur ist immer bestens informiert. Er kennt den Termin-Plan: Wann die FED tagt, wann wichtige Wirtschaftsdaten veröffentlicht werden und wann Future-Kontrakte und Optionsgeschäfte auslaufen. Indem er die verdeckten Eingriffe der Notenbanken an dem Marktgeschehen identifiziert, positioniert er sich meist gegen den Strom der anderen Finanz-Akteure.

 

Langfristig strebt er dasselbe Ziel an wie der Goldinvestor.

 

Resümee: Jeder Mensch ist in seinem Investment-Verhalten verschieden. Den von vielen Vertretern der Finanzindustrie diskreditierten, angeblich rein auf einen Zusammenbruch des Systems wartenden sogenannten Gold-Bug gibt es in Wirklichkeit nicht. Gold-Investment bietet vielmehr facettenreichen Varianten an, die für jeden Investor-Type geeignet sein sollten.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Gelddruckmaschinen werden weltweit wieder hochgefahren. Bloomberg meldete heute früh: BOJ Expands Bank-Loan Program in First Stimulus Since March - The BOJ will boost the amount of funds in the facility by 10 trillion yen ($116 billion) to a total of 30 trillion, the bank said in a statement after an emergency meeting in Tokyo.

 

116 Milliarden US-Dollar pumpt also allein die Bank of Japan zusätzlich in den Markt. Dazu  bedurfte es eines EMERGENCY MEETINGS – Krisensitzung würde man wohl auf gut deutsch sagen.  Das Finanzsystem hat letzte Woche wohl wieder in den Abgrund geblickt.

 

Eigentlich hätte diese Nachricht den Goldpreis im asiatischen Handel heute früh steigen lassen. Aber was tat das Gold: Es fiel – zwar nicht signifikant, aber immerhin um zwei bis drei US-Dollar.

 

Der Londoner Handel war wegen eines Feiertags in Großbritannien heute geschlossen.

 

Der Financial Times Deutschland wird langsam – in Anbetracht der Rhetorik von Ben Bernanke am Rande der Klausur in Jackson Hole – die Realrendite der lang laufenden US-Staatsanleihen auch unheimlich: Die Fed will, dass wir für niedrige Zinsen sorgen, strebt aber selber klar einen Anstieg der Inflation an. Dabei sind - außer für Spekulanten - 2,6 Prozent angesichts der geschönten US-Inflationsstatistiken eh ein Witz, zumal Bernanke keinen Zweifel daran gelassen hat, dass die Fed die Mittel zur Inflationierung hat.

 

Laut John Williams von shadowstat.com liegt die wahre Inflation in den Vereinigten Staaten bei 8 Prozent. Dabei verwendet er nur die Berechnungs-Verfahren, die zu Zeiten vor der Präsidentschaft von Bill Clinton gang und gäbe waren. Einen Witz nennt selbst die FTD die  offiziell ausgewiesenen Werte von unter 2 Prozent. Aber immerhin verdienen an diesen Bond Arbitrage Geschäften die Spekulanten immer noch gut (vor allen wegen der Menge der emittierten Bonds).

 

Während die Liquiditäts-Spritze der BoJ noch den Tokioter NIKKEI antreiben konnte, verlor der DAX heute 0,65 Prozent und auch der Dow Jones lag gegen 20:30 Uhr bereits mit 100 Zählern im Minus.

 

Selbst an der New Yorker COMEX kam keine so rechte Stimmung zum Handeln auf. Gold beendete den Handel mit $1.237,50 aber trotzdem leicht im positiven Bereich, wenn man den Freitags-COMEX Schlusskurs heranzieht.

 

Die 10-jährigen US-Treasuries konnten ihren Einbruch vom Freitagabend heute wieder zum Teil ausbügeln. Mit 2,6 Prozent Realrendite und einem steigenden US-Dollarindex ist der Quotient aus beiden Werten heute um 1,3 Punkte auf 32,0 gestiegen.

 

Bemerkenswert ist heute auch die neu aufziehende Euro-Krise. Der Schweizer Franken stieg gegenüber der europäischen Währung um ein Prozent an und unterschritt damit zu ersten Mal klar die Marke von CHF 1,30 pro Euro.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

Feiertag

$1.234,50

(€970,60)

 

Gold P.M. Fix (LBMA)

Feiertag

$1.235,00

(€972,14)

 

COMEX Schlusskurs

$1.237,50

NA

$1.236,50

NA

+ $1,00

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

Feiertag

$19,03

NA

 

Platin P.M. Fix (LPPM)

Feiertag

$1.530,00

(€1.202,85)

 

Palladium P.M. Fix (LPPM)

Feiertag

$503,00

(€395,45)

 

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

83,1

82,9

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

2,6 %

2,7 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

32,0

30,7

+ 1,3

 

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