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Bericht für den 29. April 2010 Gold & Gesellschaft: Die Mär der Geldwertstabilität Ich weiß
nicht, wie es Ihnen geht: Mir wurde schon beginnend mit der Schulzeit
eingebläut, dass die Notenbanken im Allgemeinen und die Deutsche Bundesbank im
Besonderen die Hüterinnen der Geldwertstabilität seien. Manche Notenbanken
– wie die Deutsche Bundesbank – stärker und andere wie
beispielsweise die italienische Notenbank eben schwächer. In
Deutschland wurde dieser These besonders starke Bedeutung zugemessen, hatten die
Bürger im zwanzigsten Jahrhundert ja bereits zweimal ihre kompletten
Ersparnisse durch untergehende Geldsysteme verloren. Die
Deutsche Mark und ihr Nachfolger der Euro waren in den Augen der Bürger ein
Wertaufbewahrungs-Mittel. Etwas, das man heute zurücklegen konnte und im Alter
wieder für Güter des täglichen Lebens eintauschen konnte. Diejenigen,
die über einen Basis-Sachverstand in diesen Dingen verfügten, berücksichtigten
bei dieser Rechnung die Inflationsrate, die den Wert des Geldes Jahr für Jahr
um einen bestimmten Prozentsatz sinken ließ. Das Credo hieß: Wenn ich mein Geld
zumindest so anlegen kann, dass der erzielte Zinssatz wenigstens die
Inflationsrate ausgleicht, dann kann ich auch noch nach 20, 30 oder 40 Jahren
die gleiche Warenmenge mit meinem Geld kaufen. Hier
liegt jedoch bei genauer Betrachtung der erste Widerspruch: Geld, dass im Laufe
der Jahre an Wert verliert, kann gar kein Wertaufbewahrungs-Mittel im engeren
Sinne sein. Denn es verliert mit der Zeit seinen Wert, so wie ein Reissack mit
einem Loch immer mehr seines Inhaltes verliert. Dabei ist der Vergleich zum
Reissack mit Loch auch gar nicht so schlecht gewählt: Denn beim Reissack tritt
durch das Eigengewicht des Reises anfangs noch eine größere Menge Reis aus als
später. Beim Geld ist auch anfangs der mengenmäßige Verlust an Kaufkraft (z.B.
ausgedrückt in der Reismenge) am größten. Man darf sich aber nicht täuschen
lassen: Nach 10 Jahren müsste man bei einem angenommenen Kaufkraftverlust von
jährlich 10 Prozent 259,37 Einheiten Geld aufwenden, wofür im Jahr 0 noch 100
Einheiten Geld ausreichten. Der Sack Reis hat also von seinen anfangs 100 kg
immerhin 61,45 kg (durch das Loch) verloren. Aber auch
wenn man es schaffen sollte, sprichwörtlich mehr Reis in den Sack nachfüllen zu
können, als man durch das Loch verliert, kann man trotzdem seinen Geldwert
nicht erhalten. Und hier kommen wir nun zu dem komplexeren Teil dieser
Betrachtungsweise, die uns die derzeitigen Bailouts
wieder einmal vor Auge führen. Der
Fehler in der Betrachtungsweise: Wir betrachten Geld als reines
Eigenkapital-Geld. Das ist es auch, wenn wir es als Banknoten in der Hand
halten. Aber diese Geldmenge ist verglichen mit der sogenannten Kreditgeld-Menge
winzig klein. Da Bargeld keine Zinsen erwirtschaftet, geben wir es der Bank
oder Lebensversicherungen, damit diese für das Geld Zinsen erwirtschaften. Denn
die Zinsen brauchen wir ja, wie oben dargestellt, um den Effekt des Loches im
Reissack ausgleichen zu können. Mit
diesem Schritt haben wir jedoch aus unserem Eigenkapital-Geld Kreditgeld
gemacht. Wir sind nun Gläubiger gegenüber der Bank oder Versicherung, die
wiederum als Makler in unserem Auftrag das Geld weiter verleiht. Beispielsweise
an den griechischen Staat. Der griechische Staat wiederum müsste nun eine Möglichkeit
finden, wie er Zinseinnahmen aus dem geliehenen Geld erzielt. Beispielsweise
dadurch, dass er Straßen baut und über eine Maut die Nutzer dieser Straßen zur
Kasse bittet. Dadurch kann er die Zinsen zahlen und über die Zeit seine
Schulden tilgen. Self-liquidating debt
nennt man diese gesunde Form der Kredit-Vergabe. Das tut
der griechische Staat jedoch nicht – und alle anderen Staaten auch nicht.
Das Geld wird konsumiert, für die Beamten, für Pensionen, für andere soziale
Belange etc. Im Übrigen auch bei den hochverschuldeten Konsumenten der
Blasen-Ökonomien wie Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Diese Schulden
können überhaupt nicht abgetragen werden. Wie kann
der griechische Staat dann überleben? Indem er die Zinsen und die Tilgung durch
Aufnahme neuer Schulden, beispielsweise von anderen Sparern, abzahlt. Das Modell
funktioniert solange, wie mehr neue Gelder zufließen, als Zinsen und Tilgungen
für bestehende Gelder zu leisten sind. Das ist zwar im Prinzip ein kriminelles
Schneeball-System, so wie es Bernie Madoff betrieben
hat. Aber der Staat bestimmt ja bekanntlich die Regeln, die auch für ihn selbst
anzuwenden sind. Stockt
dieser Mittelzufluss auch nur teilweise, dann kommt es zu der gefürchteten
deflationären Entwicklung: Wenn nicht ausreichend Mittel für neue Kredite
bereitgestellt werden, dann können die bestehenden Kredite nicht vollständig
bedient werden. Das merken dann immer mehr der neuen Kreditgeber und stoppen
ihre Mittel an den griechischen Staat schließlich vollständig. Gleichzeitig
versuchen die Besitzer bestehender Papiere, diese möglicht schnell an
Zweitmärkten – den sogenannten Bondmärkten – gegen Eigenkapitalgeld
zu tauschen. Da die Käufer an den Zweitmärkten jedoch weniger als 100 Prozent
des Nennwertes dieser Schuldtitel zahlen, kommt es zu einem zunehmenden Verfall
der bestehenden Schulden. Die Real-Zinsen der Papiere steigen ins
astronomische, weil ein Zinspapier, das bislang 5 Prozent auf Wertebasis von
EUR 1.000 erzielte, nun weit mehr als 10 Prozent erzielt, wenn man das Papier
nun für EUR 300 kaufen könnte. Denn das Papier erzielt ja Zinsen von jährlich
EUR 50 und auf die Basis von beispielsweise EUR 300 gerechnet sind das dann
16,7 Prozent. Gleichzeitig erhält der Käufer am Ende der Laufzeit – falls
das Papier nicht bereits Zahlungsunfähigkeit anmelden musste – noch den
Nennwert von EUR 1.000. Abhängig von der Restlaufzeit des Papiers kann sich so
eine Gesamtrendite von durchschnittlich über 20 Prozent pro Jahr ergeben. Diese
deflationäre Entwicklung ist letztendlich tödlich für unser zum Großteil auf
Kreditgeld basiertem System. Denn in Extremis würden
die Schuldner ihre kompletten Einlagen bei Banken und Versicherungen verlieren.
Das haben wohl EZB-Chef Trichet und der IWF-Präsident
Strauß-Kahn der Bundesregierung und den Bundestags-Fraktionen gestern in Berlin
erklärt. Die
Notenbank und die Regierung stehen nun vor dem Dilemma, dieses Problem lösen zu
müssen. Und die Lösung lautet BAILOUT – das heißt die Notenbank druckt
entweder direkt (Quantitative Easing) oder indirekt
(über verdecktem Ankauf von Staatsanleihen) das Geld, welches benötigt wird, um
den Zufluss von Geldern zur Bedienung der Zinsen und Tilgungen des griechischen
Staates wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Da anfangs wenige Geldgeber mit
ihren Zahlungen zurückhaltend sind, aber mit wachsender Krise fast alle
Geldgeber ausfallen, werden die zu leistenden Bailout-Summen
auch immer größer. Die Bank
of England (BoE), obwohl mit dem Vereinigten
Königreich in einer noch viel schlimmeren Situation als Griechenland und die
anderen PIGS-Staaten, hat diese Methode der
Auffüllung des fehlenden Kreditgeld-Angebots mit direkt oder indirekt
gedrucktem Geld der Notenbanken bis zur Perfektion entwickelt. Die Märkte
honorieren das, denn in solch einem System bleibt jeder liquide – das
heißt zahlungsfähig. Die
Achilles-Ferse in einem Kreditgeld-System ist also die Liquidität der
Marktteilnehmer. Geht diese wie im Fall Griechenland plötzlich verloren, dann
implodiert der Wert des Kredit-Geldes. Das Eigenkapital-Geld wird so gegenüber
kreditfinanzierten Vermögens-Klassen faktisch kräftig aufgewertet. Natürlich
steckt hinter dieser Methode der Geldvermehrung auch ein versteckter Haircut – aber für alle Gläubiger und alle Besitzer
von Eigenkapital-Geld, was durch die Notenpresse zunehmens
verwässert wird. Und noch haben die Notenbanken verhindert, dass diese massiv
geschaffene Eigenkapital-Geldmenge zu einer Verbraucher-Preisinflation führt.
Bei der FED und BoE arbeiten eben Vollprofis, die ihr
Versteckspiel mit den Investoren perfekt beherrschen. Im
Prinzip muss man aber feststellen: Ein Großteil der von Gläubigern gehaltenen
Kreditgeldmenge ist verkonsumiert und wird niemals wieder zurückkommen. Alle
diese Spiele der Notenbanken können nur den unausweichlichen Zusammenbruch des
Kreditgeld-Systems verzögern – verhindern geht nicht. Das
einzige wirkliche Wertaufbewahrungs-Mittel ist übrigens Gold. Denn dessen Wert
steigt mit der ausgeweiteten Eigenkapital-Geldmenge – es ist eben ein
Sack Reis ohne Loch. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Die
Märkte scheinen sich nach den angeblich zugesagten deutschen Zahlungen für
Griechenland wieder leicht zu stabilisieren. Die Renditen griechischen der
Staatsanleihen sind jedenfalls wieder zurückgegangen. Auf der
anderen Seite geraten Portugal, Spanien und Italien immer mehr unter Druck.
Auch Frankreich scheint inzwischen nicht tabu zu sein. In Griechenland werden
nach Berichten derzeit die Banken von den Klein-Anlegern gestürmt. In
Deutschland stürmen nicht nur die Kleinanleger die Edelmetall-Händler. Es wird
von Vermögensverwaltern berichtet, die unterwegs sind, möglichst viel Geld
ihrer millionenschweren Mandantenschaft in Gold
umzuschichten. Dafür
erscheint der offizielle Gold-Markt noch sehr gesittet. Eigentlich gab es heute
gar keine signifikante Bewegung am Goldmarkt. Weder nach oben noch nach unten. Im
Gegensatz zu den gestrigen Bewegungen konnten zum Abend auch wieder die weißen
Edelmetalle performen. Ebenso wie Öl, das heute
kräftig stieg. Die unten dargestellten Zahlen für die weißen Edelmetalle
reflektieren diese späte Entwicklung noch nicht, da ich nur die Zahlen des
Londoner Handels dargestellt habe. Der Euro
konnte sich gegen den US-Dollar wieder leicht stabilisieren. Dementsprechend
fiel der US-Dollarindex um 0,5 Punkte. Sowohl
zum Londoner A.M. Fix ($1.170,00 / EUR 883,69) als auch zum P.M. Fix ($1.166,75
/ EUR 882,36) konnte Gold auf Tagesbasis exakt $5,75 zulegen. Mir ist die
letzten Tage schon aufgefallen, dass die Anstiege zu beiden Fixing-Zeitpunkten
koordiniert erscheinen. Der
leichte Rückgang zum COMEX-Schluss ($1.168,50 / EUR
882,30) um drei Dollar sollte nicht überbewertet werden. Der Goldmarkt ist
derzeit so heiß, dass das Gold-Kartell wohl alle Mittel ergreift, um nicht den
Anschein einer Panik aufkommen zu lassen. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
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