Bericht für den 8. Juli 2010

 

Gold & Gesellschaft: Eher eine Vermögensberater-Blase

 

Sobald der Goldpreis, egal ob durch Markteinflüsse oder Interventionen der Zentralbanken, wieder einmal einige Prozent-Punkte verliert, schießen die Gold-Quengler und die Furchtsamen, von Walter Eichelburg auch liebevoll Gold-Zitterer genannt, wie Pilze aus dem Boden.

 

Interessanterweise versuchen sich dann gerade diejenigen System-Medien zu profilieren, die bislang eher goldfreundliche Berichte geschrieben haben. Aber die Redakteure der System-Presse sind meistens auch nur Herden-Tiere, die dem Trend folgend ihre Kommentare und Empfehlungen loslassen. Und der Trend ist meistens nur die Preisentwicklung. Bill Murphy von GATA beschreibt dieses Verhalten zutreffend mit: PRICE ACTION MAKES MARKET COMMENTARY – das heißt das Preisverhalten bestimmt, wie die Kommentare auszusehen haben. Kein Versuch, die Hintergründe zu klären. Journalismus – eine zutiefst unwissenschaftliche Disziplin.

 

Dabei erkennen selbst Vermögens-Berater, die jetzt – entsprechend der Herdentier-Theorie – vor einer Goldblase warnen, dass an vielen anderen Stellen des Finanzsystems nicht alles zum Besten steht.

 

Die bislang als eher goldfreundlich einzustufende Wirtschafts-Woche (WIWO) veröffentlicht heute ein Interview von Annina Reimann mit Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler unter dem Titel Vermögensverwaltung - Eher eine Goldpreisblase.

 

Herr Müller sichert nach dem Bericht das Vermögen seiner (noch) vermögenden Kunden nach folgender Formel ab: Mindestens 35 Prozent Aktien, mindestens 35 Prozent Renten. Mit den restlichen 30 Prozent bleibt der Spielraum, uns taktisch zu positionieren.

 

Da ist sie wieder, die sogenannte Portfolio-Theorie, die besagt, dass eine Streuung des Vermögens auf unterschiedliche Anlage-Klassen das Verlustrisiko begrenzen könne. Denn wenn es eine Anlageklasse einmal erwischen sollte, dann bleibt die andere eben stabil oder wächst sogar überdurchschnittlich. Das Ideal-Ziel: Egal wie sich der Markt verhält, der Vermögensverwalter erwirtschaftet stets positive Renditen für seine Klienten.

 

Aber wenn wir einmal genau auf diese Mischung sehen, dann finden wir nur reine Papierwerte: Renten sind Schuldscheine gegen Staaten und Unternehmen, welche im Prinzip niemals in der Lage sein werden können, ihre Schulden zurückzuzahlen. Praktisch verlorenes Geld also – nicht nur verlorene Rendite. Und die Real-Rendite von Aktien – wenn man einmal die wirklich erzielten Gewinne der Unternehmen ansieht – ist de facto noch viel bescheidender. Man muss wissen, dass der Wert von Aktien schon längst nicht mehr den realen Wert des Unternehmens, ausgedrückt als bilanzieller Differenz zwischen den Vermögenswerten und den Schulden ausdrückt. Vielmehr steckt in den Dividenden-Werten eine unrealistische Good Will Bewertung, die den Marktwert des Unternehmens widerspiegeln soll. Denn ein etabliertes Unternehmen mit stabilen Umsätzen hat bereits wegen seines generierten Cash Flows einen bestimmten Wert. Hier gibt es eine Reihe von Pseudo-Experten, die immense Good Will Werte ermitteln.

 

Der Vermögensberater erkennt auch bei Rentenwerten wie deutschen Bundesanleihen, dass diese total überwertet seien und deshalb eine Realrendite praktisch nicht mehr vorhanden sei. Aber er kauft sie trotzdem: Es bleibt einem ja kaum noch was übrig. Der Mangel an Alternativen führt ja gerade zu den falschen Preisen.

 

Toller Vermögensberater.

 

Und dann erkennt er auch noch, dass die Staatsschulden-Situation in Zukunft noch weiter eskalieren wird: Neben offiziellen Staatsschulden haben wir ja noch die impliziten Schulden, beispielsweise aus Pensionsverpflichtungen für die Beamten. ... Da reden wir in Kontinentaleuropa von Schulden über 300 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.

 

Aber eins plus eins ist trotzdem drei. Denn auf das Thema Gold angesprochen, greift er in die tiefste Mottenkiste der Unwahrheiten: Gold zahlt keine Dividende. Gold macht keinen Gewinn. Das hält uns im Private Banking davon ab, dort taktisch zu investieren. ... Ich sehe eher eine Goldpreisblase.

 

Das einzige, was einen Banker davon abhält, in Gold zu investieren, sind die schlechten Provisions-Einnahmen. Denn bis auf den niedrigen Prozentaufschlag beim Kauf von physischem Gold fallen keine Verwaltungs- und Depotgebühren an. Höchstens Kosten für Lagerung und Versicherung. Und die sind nicht mit den im Bankwesen erzielten Provisionen vergleichbar.

 

Ich persönlich sehe deshalb eher eine Blase von Vermögensberatern, die derzeit ihre vermögende Klientel mit voller Fahrt ins offene Messer laufen lässt. Aber vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn manche dieser Ober-Reichen auch einmal wieder ein Gefühl für das wahre Leben bekommen – beispielsweise beim Überschreiten von Bahngleisen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Goldpreis-Drückung scheint immer noch nicht vorbei zu sein. Was man bei der Beobachtung des täglichen Kursverlaufs feststellt: Hier wird nicht mit Derivaten, sondern mit physischem Gold gedrückt. Es häufen sich die Berichte, dass Geschäftsbanken mit der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) Goldswap-Geschäfte durchführen. Ob hier das im Auftrag der Bankkunden gelagerte Gold, das für große ETF gelagerte Gold oder eigenes Gold geswappt wurde, können wir aus den Nachrichten nicht entnehmen.

 

Aber eines ist klar: Die BIS ist eine der größten Gold-Gegner, ist sie doch die Oberzentralbank der weltweiten Notenbanken.

 

Eine andere Nachricht besagt, dass die PIIGS-Staaten derzeit aufgrund ihrer fast aussichtslosen Situation versuchen, mit Hilfe ihrer letzten Gold-Reserven die Märkte zu beruhigen.

 

Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus Beidem.

 

Heute ging es deshalb also wieder abwärts für das gelbe Metall: Erst bei knapp unter $1.190 eine Stunde nach dem Londoner P.M. Fix war der heutige Tiefpunkt erreicht.

 

Dabei verlief der heutige Goldtag doch nicht so schlecht, wie der erste Eindruck schien. Denn gestern Abend nach dem COMEX-Schluss stieg Gold auf einen Schluss-Stand von $1.203,20 an, das heißt fünf Dollar mehr als noch zum Schlusskurs an der COMEX.

 

Diese Marke hielt im asiatischen Handel. Und auch im Londoner Vormittags-Handel ging es kaum bergab. Der A.M. Fix kam oberhalb der $1.200er-Marke mit $1.201,75 (EUR 949,31) zustande.

 

Zum Nachmittag wurde dann aber bereits vor Eröffnung der COMEX in New York die Marke von $1.200 nach unten hin durchschritten. Kurz vor dem P.M. Fix ging es dann plötzlich von $1.200 um mehr als sechs Dollar nach unten. Klar – es wurden wieder einmal größere Mengen Gold in London vor dem P.M. Fix abgeworfen. Wenig überraschend kam dieser dann mit $1.193,50 (EUR 941,47) behauptet zu Stande. Euro-Gold ist allerdings um vier Euro gefallen. Es ist offensichtlich, wer hier in den Markt eingreift.

 

Im Anschluss hat man es zwar mit einer Drückung im Derivate-Markt probiert, aber bei $1.189 war dann schon wieder Schluss. Zum Ende des Handels an der COMEX ging es dann wieder aufwärts: $1.195,50 lautete der Schluss-Stand – das sind drei Dollar weniger als gestern zur gleichen Zeit.

 

Im Access Handel steigt Gold heute erneut und nähert sich wieder der Marke von $1.200. Der Goldabwurf der Europäer wird also von anderen Marktteilnehmern dazu verwendet, Gold auf günstigerem Niveau zuzukaufen.

 

Abwarten, wann die physischen Reserven endgültig verpulvert sind.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.201,75

(€949,31)

$1.186,00

(€944,04)

+ $15,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.193,50

(€941,47)

$1.193,25

(€946,05)

+ $0,25

COMEX Schlusskurs

$1.195,50

NA

$1.198,20

(€949,27)

- $2,70

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,00

(€14,23)

$17,65

(€14,02)

+ $0,35

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.528,00

(€1.204,55)

$1.512,00

(€1.201,90)

+ $16,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$447,00

(€352,40)

$439,00

(€348,95)

+ $8,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

83,8

83,9

- 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,0 %

3,0 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

27,9

28,0

- 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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