Bericht für den 27. Juli 2010

 

Gold & Gesellschaft: Stressige oder gestresste Banken?

 

Die Probleme des Bankensystems bereiten den Politikern weltweit erhebliche Kopfschmerzen. Die als Folge der mehrere hundert Milliarden Dollar/Euro/Pfund/Schweizer Franken umfassenden staatlich finanzierten Banken-Rettungspläne nun selbst über alle Ohren verschuldeten Staaten wollen eine zweite Bankenkrise auf alle Fälle vermeiden. Denn derzeit stehen die Regierungen selbst mit ihren aufgetürmten Schulden auf dem Menü als Schlachtplatte der weltweiten Investoren. Eine erneut ausbrechende Bankenkrise wäre wohl nicht mehr unter Kontrolle zu bringen.

 

Dabei finden sich in den Bilanzen der Banken nun im großen Umfang diejenigen Staatspapiere wieder, die derzeit auf den internationalen Bond-Märkten mit großen Abschlägen gehandelt werden. Die Banken sind mit ihren Anlagen also erneut ins Fadenkreuz der Anleger genommen worden.

 

Kein Wunder, dass die Politiker diese stressigen Banken nun auf der großen Bühne des Weltfinanz-Systems stocksolide aussehen lassen wollen. So wurde das Committee of European Banking Supervisors (CEBS) mit großem publizistischen Wirbel beauftragt, einen Stresstest der europäischen Banken durchzuführen. Ziel war die Wiederherstellung des Vertrauens der Märkte in das europäische Bankensystem.

 

Die Stressfaktoren, die in den Modellen angewandt wurden, waren aber nicht dazu angetan, wirkliche Problem-Situationen, wie wir sie spätestens seit dem Herbst 2008 durchleben mussten, realitätsnah nachzubilden. So wurde im Adverse Scenario ein Wirtschaftswachstum für die EU im Jahr 2010 von 0 Prozent und von minus 0,4 Prozent im Jahr 2011 angenommen.

 

Auch auf dem Arbeitsmarkt schien man im Stress-Szenario nur von einem moderaten Anstieg der Arbeitslosenquote von 1,4 Prozentpunkten auszugehen. Betrachtet wurde die Eigenkapital-Ausstattung der Banken – Liquiditätsrisiken wurden nicht beleuchtet, da diese ja durch entsprechend laxe Ankaufsbestimmungen der EZB praktisch jederzeit unter Kontrolle gebracht werden können. Dass die EZB alle Sorten praktisch wertloser Anlagen, seien es nun verbriefte Hypotheken oder andere Wertpapiere, zum bilanzierten Nennwert (mark-to-fantacy) ankauft, ist uns hinlänglich bekannt.

 

Die Manipulationen der Stresstester werden aber erst bei der Bewertung der Vermögenswerte der Banken – der sogenannten Aktiva – sichtbar. Dabei werden die Vermögenswerte aufgrund ihrer Risikogewichtung in sogenannte risikogewichtete Aktiva und solche ohne Risikogewicht unterteilt. Prozentual wurden 40 Prozent der Aktiva als risikobehaftet bewertet und sind deshalb mit Eigenkapital zu unterlegen. Die Bewertung der Risikogewichte erfolgte dabei auf Basis der Einstufungen der den Vermögenswerten zugrunde liegenden Papieren anhand der Rating-Agenturen: Für AAA bis AA- Ratings war die Risikogewichtung Null, dagegen bei Bewertungen below investment grade bei Eins.

 

Das ist ein Haupt-Kritikpunkt an diesem Stresstest. Aus den Ereignissen, die im Jahr 2007 und 2008 fast zum kompletten Zusammenbruch des weltweiten Finanz- und Wirtschaftssystems geführt hatten, wissen wir, dass selbst von Standard & Poors, Moodys und Fitch als praktisch ausfallsicher bewertete Papiere nicht besser als Schrott, das heißt below investment grade, sein können.

 

Der zweite Kritikpunkt liegt in der Bewertung der von den Banken gehaltenen Staatanleihen. Im sogenannten Bankbuch werden dabei die Anleihen aufgeführt, welche bis zur Fälligkeit der jeweiligen Anleihen von der Bank gehalten werden sollen. Die Stresstester gehen davon aus, dass es für diese Anleihen zu keinerlei Ausfällen kommen wird – weder durch einen Konkurs des jeweiligen Staates mit einem Komplettausfall dieser Papiere noch zu einer Umschuldung, bei der dann im Rahmen eines vereinbarten Haircuts die Papiere wohl einen beträchtlichen Teil ihres bilanzierten Wertes verlieren würden. So wurde insbesondere den französischen Banken entgegengekommen, die einen großen Teil der problematischen Staatspapiere der PIIGS-Staaten halten. Es ist deshalb auch keine Überraschung, dass keine der französischen Banken durch den Stresstest gefallen ist.

 

Die im sogenannten Handelsbuch gehaltenen Staatsanleihen wurden jedoch einem Haircut unterzogen, wobei beispielsweise deutsche Anleihen einem Haircut von 4,7 Prozent und die griechischen Papiere einem Haircut von 23,1 Prozent unterzogen wurden. Begründet wurde die unterschiedliche Bewertungs-Methodik für das Bankbuch und das Handelsbuch damit, dass die Anlagen im Handelbuch spekulativ gehalten werden und deshalb ein Abschlag aufgrund der derzeitigen Marktbedingungen an den Bond-Märkten angenommen werden müsse. Für die im Bankbuch bis zur Fälligkeit gehaltenen Staatsanleihen geht man davon aus, dass der jeweilige Schuldner sowohl seine Zins- als auch Tilgungsverpflichtungen im vollen Maße gerecht werden würde.

 

Nun ist es für den kritischen Beobachter keine Überraschung, dass ein Großteil der Staatspapiere im stressresistenten Bankbuch geführt wird. Da ein Großteil dieser Papiere gleichzeitig noch von den Rating-Agenturen mit AAA bis AA- bewertet wird, braucht die Bank für einen Großteil der gehaltenen Staatspapiere rechnerisch überhaupt gar kein Eigenkapital zu hinterlegen. Es wird davon berichtet, dass einige Banken vor dem Stresstest noch Papiere aus dem Handelsbuch (wo nach dem Modell ein Marktrisiko gegeben ist) in das marktrisiko-resistente Bankbuch überführt hätten. Bei Staatsanleihen Großbritanniens mit S&P Rating AAA ist selbst das nicht nötig, denn das Risikogewicht selbst bei im Handelsbuch geführten britischen Staatsanleihen ist per Definition Null.

 

Besonders krass war anscheinend die Verteilung der Vermögenswerte der Hypo Real Estate (HRE). Dort befanden sich nur 3 Prozent der Aktiva im Handelsbuch – trotzdem ist diese Bank bei dem Stresstest durchgefallen, um der staunenden Investorenschar zumindest ein Opfer präsentieren zu können.

 

Was schließen wir aus den Ergebnissen dieses Stresstests? Zuerst einmal scheinen die Verantwortlichen nicht daran interessiert zu sein, wirkliche Reformen im Finanzsystem anzugehen. Vielmehr war dieser Stresstest, der verschiedene Weichspülgänge durchlaufen musste, nur darauf angelegt, dass Vertrauen in die europäische Bankenlandschaft wiederherzustellen. Dass dies auf so plumpe Art und Weise geschah, dass man sich bereits über die Ergebnisse lustig macht, ist den Verantwortlichen letztendlich auch egal. Denn im Hintergrund werden gleichzeitig die Märkte manipuliert und so gilt wieder einmal der hier oft wiederholte Spruch: Price action makes market commentary.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Heute ist wieder einmal so ein Tag, da könnte man in Anspielung auf die nervtötende Filmkomödie aus dem Jahr 1983 mit Bill Murray dichten: Und ewig grüßt das (Gold)- Murmeltier. Erneut kam es praktisch aus dem Nichts im Vorfeld des Londoner P.M. Fix zu einem wasserfallartigen Absturz des Goldpreises um fast fünfzehn US-Dollar.

 

Dabei konnte sich Gold noch im Londoner Vormittags-Handel von dem gestrigen Preisrückgang nach Schluss des COMEX-Handels erholen. Der A.M. Fix kam mit $1.184,00 (EUR 912,74) in etwa auf dem Schlussstand der COMEX von gestern zustande.

 

Der heutige Preisrutsch gegen 15:00 Uhr MEZ verschonte auch nicht das Silber, das plötzlich auch um über 40 Cent einbrach. Selbst Platin gab zur gleichen Zeit fast fünfzehn Dollar ab – Anglo Platinum , dem größten Platinproduzent der Welt, wird ein Interesse an einem niedrigen Platin-Preis nachgesagt. Das ist genauso widersprüchlich, wie der weltweit größte Goldhändler KITCO mit Jon Nadler den wohl leidenschaftlichsten Gold-Feind der westlichen Hemisphäre als Marktkommentator beschäftigt. Lediglich das völlig vom Gold Kartell unabhängige Palladium zuckte zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht – die Russen lassen sich einfach nicht vom Gold Kartell kaufen.

 

Aber diese Aktion heute verlief anders, als wir es die letzten Wochen beobachten konnten. Die Drückung setzte bereits eine Stunde vor dem Londoner P.M. Fix (die heutige Notierung lautete $1.168,00 / EUR 900,26) ein und wurde in weiteren Angriffs-Wellen nach Ende des physischen Handels perfektioniert. Heute fand man keine DNA-Spuren der EZB wie zuletzt. Das war eine gezielte Drückung, die aus den Vereinigten Staaten gesteuert worden ist. Deshalb wurde auch wieder Silber geschlachtet (minus 3 % in der Spitze gegenüber Gold mit minus 2 %) – die Indizien werden dort wohl wieder zu JP Morgan führen. Zum Schluss des Handels an der COMEX stand Gold auf dem Tages-Tiefstand von unter $1.160 – also verlor Gold im Verlaufe des COMEX-Handels $25.

 

Als zusätzlicher Wermutstropfen für die Euro-Gold Besitzer unterschritt das gelbe Metall signifikant die Marke von 900 Euro.

 

Vielleicht sind es wirklich nur die auslaufenden COMEX-Optionen, die von den emittierenden Banken möglichst unterhalb ihres Strike-Preises gedrückt werden sollen, die als Grund für diese Aktion genannt werden. Vielleicht es auch der Versuch des Gold Kartells, in einer eher goldnachfrageruhigen Zeit die wenigen noch vorhandenen Ressourcen der westlichen Notenbanken dazu eingesetzt werden sollen, beim Gold größtmöglichen Schaden anzurichten. Wenn man am Goldinvestoren-Baum nur kräftig schüttelte, dann fielen sicherlich einige schon überreife Investoren-Früchte ab – so könnte die Argumentation dieser bereits seit über einen Monat laufenden Aktion lauten.

 

Wahrscheinlich hofft man wegen der Urlaubszeit auch, dass die westlichen Investoren nicht die Gelegenheit nutzen, sich zu $100 und über EUR 100 niedrigeren Preisen pro Feinunze noch einmal günstig einzudecken.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.184,00

(€912,74)

$1.189,00

(€920,92)

- $5,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.168,00

(€900,26)

$1.183,50

(€914,11)

- $15,50

COMEX Schlusskurs

$1.158,40

(€892,88)

$1.184,50

(€910,47)

- $26,10

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,16

(€13,97)

$18,01

(€13,96)

+ $0,15

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.560,00

(€1.200)

$1.546,00

(€1.195,65)

+ $14,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$478,0

(€367,70)

$477,00

(€368,90)

+ $1,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

82,2

82,0

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,0 %

3,0 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

27,4

27,3

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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