Bericht für den 17. August 2010

 

Gold & Gesellschaft: Imperien verbrennen von innen

 

So langsam glaubt auch der SPIEGEL nicht mehr den veröffentlichten US-Arbeitsmarkzahlen. Zu stark ist der neue Imperator, Barrack der Erste, darauf bedacht, dass die Arbeitslosen-Quote nicht über die Marke von zehn Prozent steigt.

 

Selbst die offiziellen Zahlen des BLS (Bureau of Labor Statistics) – wegen seiner eklatanten Manipulation der Arbeitsmarktzahlen auch kurz das Wahrheitsministerium genannt – weisen von den 15 Millionen offiziell gemeldeten Arbeitslosen bereits 6,8 Millionen Langzeitarbeitslose aus. Das ist ein Quantensprung gegenüber den beiden Rezessionen im Jahr 1992 und 2003, wo bei knapp 10 Millionen Arbeitslosen die Zahl der Langzeitarbeitslosen lediglich zwei Millionen betrug. Dabei weist der US-Arbeitsmarkt doch die Flexibilität auf, die sich die Unternehmen wünschen – praktisch keine regulatorischen Hürden beim Abbau von Arbeitskräften.

 

In der Vergangenheit hat das noch geholfen, jetzt anscheinend auch nicht mehr.

 

In der Printausgabe des SPIEGEL unter dem Titel Auf dem Weg nach Unten stellen die Redakteure lapidar fest: Insgesamt liegt die Arbeitslosenquote über ein Jahr nach dem offiziellen Ende der Rezession bei konstant über 9,5 Prozent. Aber das sind nur die amtlichen Zahlen. Rechnet man die Menschen hinzu, die bereits die Suche aufgegeben haben oder sich nur mit einem Teilzeitjob für wenige hundert Dollar im Monat über Wasser halten und derweil alte Reserven aufzehren, liegt sie bei über 17 Prozent.

 

Aber selbst die Zahl von 17 Prozent kommt von der BLS selbst. Das ist nämlich die Arbeitslosigkeit in der Abgrenzung U-6, wobei offiziell immer nur die Zahlen der Abgrenzung U-3 veröffentlicht werden. John Williams von shadowstats.com kommt unter Anwendung der Berechnungs-Methodik vor der Clinton-Ära zu noch erschreckenderen Zahlen: Nach seinen Berechnungen liegt die Quote inzwischen bei knapp 22 Prozent.

 

70 Prozent der Bevölkerung glauben nach einer jüngsten Umfrage in den Vereinigten Staaten, dass die Rezession noch voll im Gange sei (in der amtlich festgestellten Wirklichkeit sollte sie schon seit einem Jahr beendet sein). Das ist wie in Deutschland vor einigen Jahren – der Wirtschaftsaufschwung war dort seinerzeit von den Menschen auch nicht wahrgenommen worden. Erst die Konjunkturprogramme nebst anderen Entlastungen im Rahmen der Lehman-Krise führten in unserem Land zu einem leichten Sinneswandel. Man sieht, wie stark regierungsamtliche Propaganda und Realität auseinander klaffen können.

 

Die Online-Kolumnistin Huffington warnte, dass Amerika Gefahr laufe, zu einem Dritte-Welt-Land zu werden. Was in Deutschland bereits schemenhaft erkennbar ist, nämlich dass die Mittelklasse langsam ausblutet, das manifestiert sich in den USA um so dramatischer: Familien verlieren erst ihren Job, dann ihr Haus und müssen dann in den Leasing-Fahrzeugen der deutschen Premium-Hersteller kampieren. Bis auch diese Fahrzeuge wegen der unbezahlten Raten eingezogen werden.

 

Spätestens dann ist aus dem amerikanischen Traum ein Alptraum geworden. Während in Europa viele Bürger noch über Ersparnisse verfügen, die zusammen mit der Arbeitslosen-Unterstützung einen ungebremsten Fall in die Armut verhindert, sind plötzlich mehr und mehr Amerikaner auf die staatliche Essensausgabe angewiesen. Selbst das US-Landwirtschaftsministerium spricht von 50 Millionen Amerikanern, die zeitweise nicht genug zu essen hatten. Der SPIEGEL: Jeder achte erwachsene Amerikaner und jedes vierte Kind leben mittlerweise von staatlichen Essensmarken. Es sind fast unglaubliche Zahlen für das reichste Land der Erde.

 

Echt imperial diese Vereinigten Staaten, die seit Jahren mehrere Kriege gleichzeitig führen können und für knapp die Hälfte der weltweiten Rüstungsausgaben verantwortlich zeichnen.

 

Jedes praktisch für unbesiegbar gehaltene Imperium wurde nicht in Schlachten mit seinen äußeren Feinden niedergerungen, sondern solche Imperium verbrennen langsam von innen. Wie ein fauler Kern sich immer mehr in die Peripherie ausbreiten wird, so wird auch das US-Imperium von innen nach außen zerfallen. Erst am Ende dieser Entwicklung stehen militärische Niederlagen, weil die kämpfende Truppe nicht mehr genug Nachschub aus dem Heimatland bekommen wird.

 

Insoweit ist die oben dargestellte Entwicklung im Inland ein geradezu verlässlicher Indikator dafür, wie es bei den diversen Friedens-Einsätzen der US-Truppen im Ausland weiter laufen wird.   

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Das war heute ein ruhiger Tag – jedenfalls was die Preisentwicklung beim Gold betraf. Wesentlich turbulenter ging es bei den Weißen Edelmetallen zu, wo Palladium mit einem Tagesplus von $13 glänzen konnte. Das ist immerhin ein Tagesgewinn von 2,7 Prozent. Aber auch Silber performte gut, da es die Marke von $18,50 überschreiten konnte.

 

Der US-Dollar gibt langsam wieder seine Gewinne ab, die er zuletzt nach der Sitzung der FED vor einer Woche erzielen konnte. Sicherlich sind Aussagen aus China, dass man Euro und Yen vor Dollar-Anlagen bevorzugen würde, für einen weiteren Anstieg der US-Währung nicht hilfreich. Aber der Markt, insbesondere von offizieller Seite, besteht mehr aus Rhetorik als aus wirklichen Fundamental-Daten. Also sind die Äußerungen aus China mit Vorsicht zu genießen.

 

Gold hat gestern nach Schluss des COMEX-Handels einige Dollar im späten New Yorker Handel zulegen können. Diese Gewinne gingen heute früh im asiatischen Handel zwar wieder verloren, aber sobald der Londoner Handel um 9:50 Uhr MEZ öffnete, waren diese Verluste wieder schnell kompensiert.

 

Der A.M. Fix mit $1.226,25 (EUR 951,32) zeigt dies an.

 

Starke Impulse vom physischen Markt, wie wir sie nicht mehr seit dem G20-Treffen und den Euro-Rettungs-Bemühungen wegen der physischen Eingriffe der Euro-Länder in den Londoner Goldmarkt erleben durften, sind der Kristallisations-Punkt für weitere Anstiege des gelben Metalls. Letztendlich kann man mit Derivaten den Markt nicht nachhaltig beeinflussen.

 

Der wichtigere P.M. Fix bestätigte diese Entwicklung: $1.226,00 (EUR 951,72). Im reinen Derivate-Geschäft an der COMEX kam es im Anschluss zum Ende des Londoner Handels zu keinen signifikanten Preis-Bewegungen mehr. Die COMEX schloss mit  $1.226,60 um knapp vier Dollar höher als gestern.

 

Bill Murphy merkte in seinem heutigen Kommentar an, dass Gold an 12 von 14 Handelstagen positiv schloss. Wir brauchen gar nicht so lange zurückzudenken, da war das genau umgekehrt und alle Welt war pessimistisch für Gold.

 

Das scheint sich jetzt wieder etwas zu ändern und erstaunlich ist, mit welchen Methoden die Lohnschreiberlinge der Systempresse die Gold-Anhänger durch den Kakao ziehen wollen. Das eine Pharisäer-Blatt macht sich über die Gold-Käfer lustig und das andere Blatt aus der ehemaligen Hauptstadt der Bewegung erfreut sich lustvoll daran, dass ein anderer Gold-Bug seinen Schatz in den trüben Gewässern des Immobilien-Marktes versenkt hat. Das ist dann weniger des Goldes Schuld, als das schlechte Investoren-Denken dieses Gold-Freundes. Wer mit Kredit und Gold gleichzeitig arbeitet, bei dem kann eben sein Gold-Schatz auf der Strecke bleiben. Dabei ist die Journaille doch nur neidisch auf diejenigen Anleger, die in ihrer Finanzplanung überhaupt noch Spielraum für das Sparen beziehungsweise Investieren in Gold haben.

 

Auf der Presse-Gallere gibt es eben nur einen Trommler – die anderen haben nur noch die Wahl, ob sie rechts oder links rudern müssen. Vielleicht gründen diese Herren und Damen zusammen mit dem Finanztest-Tenhagen einen Interessens-Club der Goldfeinde e.V – mit dem kanadischen Ehrenmitglied Jon Nadler. Beide heutigen Anti-Gold Berichte qualifizieren die Schreiberlinge für die antigoldene Nadler-Nadel.

 

Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter: Und so interpretieren wir dieses Dummgeschwätz als ein weiteres Indiz dafür, dass die Aufwärtsentwicklung bei Gold noch nicht bei der Masse angekommen ist.

 

Die US-Treasuries mussten ihre Gewinne vom Vortag wieder abgeben. Mit dem etwas nachgebenden US-Dollarindex signalisiert der von mir ermittelte Quotient aus dem USDX und den Real-Renditen mit heute minus 1,3 Punkten eine etwas zu negative Stimmung im Dollarraum. Wichtig ist, dass dieser Quotient immer noch oberhalb der Marke von 30 steht.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.226,25

(€951,32)

$1.222,00

(€953,57)

+ $4,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.226,00

(€951,72)

$1.223,50

(€954,37)

+ $2,50

COMEX Schlusskurs

$1.226,60

NA

$1.223,00

NA

+ $3,60

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,54

(€14,42)

$18,20

(€14,21)

+ $0,34

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.541,00

(€1.196,90)

$1.534,00

(€1.194,25)

+ $7,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$494,00

(€383,70)

$482,00

(€375,25)

+ $12,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

82,2

82,5

- 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

2,7 %

2,6 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

30,4

31,7

- 1,3

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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